Ziemlich schnell haben Experten die Talfahrt der New Yorker Börse am 13. Oktober und den darauffolgenden Schwarzen Montag an den übrigen Weltbörsen als „Mim-Crash“ abgetan. Die guten fundamentalen Daten werden beschworen, der Kurssturz als vorübergehendes Phänomen analysiert. Ganz so einfach aber scheinen die Dinge doch nicht zu liegen.

Seit dem Debakel reagieren die Märkte hypernervos. Und die jüngsten Prognosen des US-Finanzministeriums tragen kaum zur Beruhigung bei. Für 1990 rechnen die Fachleute nur noch mit einem bescheidenen Abbau des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits – wenn überhaupt. Sogar ein Anstieg, so fürchten sie, ist nicht auszuschließen. Selbst von einem niedrigeren Dollarkurs versprechen sie sich keinen weiteren Beitrag zum Defizitabbau.

Immer problematischer für die gesamtwirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten wird aber auch das Budgetdefizit. Im abgelaufenen Haushaltsjahr waren die Zinszahlungen für die Schulden in Höhe von 2,8 Billionen Dollar der zweitgrößte Einzelposten nach dem Verteidigungsetat und damit hoher als die Ausgaben für die Sozialversicherung. Sollte es zu einer spürbaren Abkühlung des konjunkturellen Klimas kommen, hat die amerikanische Regierung kaum noch Spielraum gegenzusteuern. mhf