Da lacht der Feind

Schlagzeile der „taz“ zur Meldung, daß die Bundeswehr Mitte der neunzigerer Jahre nur noch 420 000 aktive Soldaten haben wird

Der Nachfolger?

Im August nächsten Jahres zieht sich Werner Hofmann, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, in den vorzeitigen Arbeits-Ruhestand zurück. Nach vielerlei Gesprächen, Beratungen, nach Spurensuche und Spurenverwischung will jetzt Ingo von Münch, Hamburgs Kultursenator, Armin Zweite zum Nachfolger von Hofmann ernennen. Zweite, seit 1974 Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München und Co-Direktor der letzten documenta, hat sowohl Erfahrung im Umgang mit einer hochangesehenen Sammlung (das Lenbachhaus beherbergt nicht nur Werke seines Namenspatrons, sondern ist vor allem auch das Haus des Blauen Reiter) wie auch Zugang zur zeitgenössischen Kunst (bei der Anschaffung der großen Beuys-Arbeit „Zeige deine Wunde“ überstand Zweite die Rolle des Hl. Sebastian). Verhandlungen stehen noch aus über die Konditionen der Ernennung – der zukünftige Direktor wird sie hoffentlich nutzen, der Hamburger Kunsthalle einen ersten Platz in der konfusen Kunst-Zukunft zu sichern.

Bier und Musik

Der Tenorsaxophonist bläst sich die Lunge aus dem Leib, dahinter stampft gleichmäßig das Schlagzeug. Über der Gruppe schwebt das Markenzeichen: „Deutsche Bundesbahn“. Wenn es ruhig wird, kann man sich beim „Hamburger Jazz Festival“ Gedanken machen, was wohl mit dem musikalischen Motto „fielmann“ gemeint ist. Kultur-Sponsoring dient nicht nur der Kunst, es hebt auch die oft beklagte Trennung von Leben und Kunst endgültig auf. Publikum und Künstler tragen die gleichen Brillen, Kultur und Alltag werden identisch – „das Kunst-Sponsoring ist ein dauerhaftes Kommunikationsmittel“, wie der Präsident von Philip Morris treffend feststellt. War bisher aber der Zusammenhang zwischen der Zigarettenmarke und dem Theaterstück, der Benzinfirma und dem Symphonieorchester noch nebulös und vieldeutig, räumt das „Berliner Jazz Fest 89“ jetzt endgültig mit allen Unsicherheiten auf: „Guinness unterstützt Jazz Fest in Berlin.“ Während Hamburg noch immer versucht, mit fielmann-Brillen den intellektuellen Touch der Jazzmusik zu retten, bekennt sich Berlin zum wahren Charakter des Jazz. „Die Zielgruppe, die wir mit der irischen Bierspezialität ansprechen, ist gerade in der Jazzszene anzutreffen. Jazzliebhaber sind in der Regel Individualisten und lieben die gesellige Pub-Atmospäre.“ Als Vorbild leuchtet das feuchtfröhliche, irische Jazzfestival in Cork, das seit 1977 von Guinness gesponsort wird. Bier, Rauch und Musik im Opera House und in vierzig Pubs. Der Jazz hat in Berlin mit seinem „24stündigen, weltstädtischen Kneipenleben“ endlich wieder zu seinen Ursprüngen zurückgefunden.

Die Welt, die Welt, ihr Esel!

Im handschriftlichen Nachlaß Arthur Schopenhauers findet sich die höhnische Ermahnung: „Die Welt, die Welt, ihr Esel! ist das Problem der Philosophie, die Welt und sonst nichts!“ Als ob sie den zornigen Ruf über anderthalb Jahrhunderte hin vernommen hätten, sind Philosophen aus Deutschland (Habermas, Luhmann, Schnädelbach), aber auch aus Amerika (Searle, Davidson) auf Einladung des Goethe-Institutes zu Kolloquien und Seminaren an spanische und portugiesische Universitäten gereist. Das jüngste Heft der zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift Prisma des Goethe-Institutes widmet den größten Teil der 126 Seiten einer Dokumentation dieser Aktivitäten der letzten Monate. „Philosophie der Sehnsucht, was auch heißen muß: Philosophie der Kommunikation, ist ebenso wichtig wie die Vermittlung von Sprachen, wie das Begreifen neuer Literatur und Kunst“, schreibt der Leiter des Goethe-Institutes Madrid, Michael Marschall von Bieberstein, im Vorwort zu diesem von Susanne Höhn redigierten Heft, das mit vielen Zeichnungen und Photographien geschmückt ist. Man entdeckt hier bisher unveröffentlichte Texte über Kant, Schopenhauer, Wittgenstein, die Frankfurter Schule oder auch einen frei vorgetragenen Reisebericht des Religionsphilosophen Johann Baptist Metz: „Lateinamerika – mit den Augen eines Theologen“. Das Heft ist kostenlos zu beziehen über das Pressereferat des Goethe-Institutes München, Lenbachplatz 3.