Es lebe der König

Wo gestern Schrott lagerte, wellt sich heute Sand und soll morgen ein Lustschloß emporragen; wo bis heute die Regeln der Republik galten, werden künftig königliche Ausnahmen gemacht. Bäume, bisher unter Naturschutz, dürfen plötzlich gefällt, und Ruinen, bislang unter Denkmalschutz, einfach geschleift werden. Majestät wünschen als erster in unserem Land eine eigene Auffahrt zur Autobahn? Ganz zu Ihren Diensten. Majestät stört der Fluglärm? Die Piste, besser gleich der ganze Flughafen soll geschlossen werden. Wo sich dieses moderne Märchen aus tausendundeiner Nacht zuträgt? Gleich nebenan in Frankreich. Dort wird jetzt König Fahd von Saudi-Arabien, Großkunde der französischen Waffenindustrie, seine faisanderie bekommen, unweit von Versailles, aus dem vor zweihundert Jahren die Revolution einen anderen König verjagte. Vive le Rot.

Schmutzige Männer

Saurer Regen und, typisch englisch, saurer Nebel schädigten in diesen Herbstwochen Tausende von Bäumen an der Ostküste der britischen Insel. Binnen kürze hatten sich die Blätter braun oder schwarz verfärbt. Der Ruf Großbritanniens – Bremser so mancher internationaler Verhandlungen über schärfere Umweltschutzmaßnahmen – als der „schmutzige Mann Europas“ erhielt damit neue Nahrung. Doch diesmal erscheint er nur teilweise berechtigt. Zwanzig Prozent der britischen Luftverschmutzung sind nämlich nicht hausgemacht, sondern importiert. Und Professor Anton Eliasson, Meteorologe bei den Vereinten Nationen, hat diesmal andere „schmutzige Männer“ identifiziert: Hauptverursacher der jüngsten sauren Nebel in Norfolk und Lincolnshire seien Autoabgase und Schwerindustrierauch aus der DDR, aus Polen... und aus der Bundesrepublik gewesen.

Junge Opfer

Mit ungewöhnlichen Mitteln kämpfen thailändische Hilfsorganisationen gegen die Ausbreitung von Aids. „Herr Kondom“, so der Spitzname des Familienplanungsexperten Mechai Viravaidya, veranstaltet in Bangkoks Bordellviertel Pat Pong Wettbewerbe im Präservative-Aufblasen und läßt Schauspieler in Kondom-Kostümen agieren, um vor der Immunschwäche zu warnen. Trauriger Hintergrund der bunten Aktionen: In Thailand erkranken zunehmend junge Menschen an Aids. Vor allem in den Armenvierteln greifen schon Kinder regelmäßig zur Heroinspritze, verdingen sich immer mehr Jugendliche als Prostituierte. Die Probleme im Fernen Osten berühren auch den reichen Westen: Nach einem Bericht der Vereinten Nationen ist Thailand neben den Philippinen das begehrteste Ziel für Kinder-Sex-Touristen.