Die personellen Querelen offenbaren einen tiefen Konflikt um die britische Währungspolitik

Von Wilfried Kratz

Die Briten reiben sich verwundert die Augen. Die Premierministerin läßt ihren bewährten Finanzminister fallen, weil sie an ihrem weithin unbekannten persönlichen Wirtschaftsberater festhalten will. Und der nimmt dann überstürzt selbst den Hut. Der Grund ist die britische Haltung zum Europäischen Währungssystem, einer für die meisten Briten rein währungstechnischen Angelegenheit. Damit schlitterte das Land in eine Krise, die die Position von Margaret Thatcher und ihrer Regierung nachhaltig erschüttert.

So erscheint es jedenfalls an der Oberfläche. Aber in Wirklichkeit ist es ein Spiel auf mehreren Ebenen. Der Rücktritt von Finanzminister Nigel Lawson hat nur einen seit langem schwelenden Konflikt zum Ausbruch gebracht, in dem es ebenso um den Führungsstil von Frau Thatcher geht wie um die Richtung der Wirtschaftspolitik und die Stellung des Landes in Europa.

Der Auslöser erscheint auf den ersten Blick geringfügig und fast als Farce. Ans Tageslicht war ein Artikel gekommen, den der Wirtschaftsberater Professor Sir Alan Walters vor einem Jahr geschrieben hatte, noch bevor ihn Frau Thatcher zum zweiten Mal an ihre Seite in Downing Street holte. In einer teils bescheidenen, teils eitlen Betrachtung seines Lebensweges hatte der Professor auch seine alte Abneigung gegen das "halbgare" Europäische Währungssystem wiederholt, alle Gründe für einen Beitritt Großbritanniens als nicht stichhaltig zurückgewiesen und seinen Rat erneuert, das Land bleibe besser bei frei schwankenden Wechselkursen und halte sich dem Regime fester Wechselkurse fern.

Dies alles war nicht neu. Trotzdem wirkte der Artikel noch vor seiner Veröffentlichung in einem amerikanischen Magazin wie der Funke an der Lunte, die zum Pulverfaß führt. Der volle Beitritt Großbritanniens zum Währungssystem ist ein Konflikt, der schon seit Jahren dahinschwelt. Und gerade in der jetzigen Phase einer Politik, welche mit Rekordzinsen von fünfzehn Prozent die Konjunktur kühlen, die Inflation austreiben und die riesige Lücke in der Zahlungsbilanz schließen soll, ist dies ein hitziger Punkt in der Diskussion. Viele Politiker und Ökonomen und ein Chor der Unternehmer plädieren dafür, der Politik eine Stütze zu geben, indem man das Pfund mit der D – Mark und dem antiinflationären Kurs der Bundesbank verbindet.

Viele halten einen solchen Schritt auch aus einem übergeordneten Grund für überfällig. Denn er räume Zweifel an der europäischen Gesinnung des Landes aus und gebe der Regierung eine glaubwürdigere Stimme in den Diskussionen über die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer Wirtschafts- und Währungsunion.