Wissenschaftsgläubig ist er gewesen, dies freilich in einem positiven Sinne. Schon als Privatdozent für Psychiatrie in Würzburg drängte es ihn, die Natur- und Geisteswissenschaften zu popularisieren. Hoimar von Ditfurth begann damit im Jahre 1959 als freier Mitarbeiter der ZEIT. Hier initiierte er auch die kritisch informierende Serie „Studieren in Deutschland“ – sie verursachte ein zaghaftes Vorbeben an unseren damals noch unpolitischen Universitäten.

Ihn selbst vertrieb ein „Halbgott in Weiß“ aus academia in die Industrie, wo er sich der Pharmaforschung verschrieb. Doch alsbald regte sich in Hoimar v. Ditfurth wieder der Mitteiler. Eine von seiner Firma, Boehringer Mannheim, herausgegebene Werbezeitschrift für Ärzte krempelte er zu dem Wissenschaftsmagazin n+m um, in dem die bedeutendsten Forscher der frühen sechziger Jahre zu Wort kamen. Im ersten Heft schrieb Konrad Lorenz seinen brillanten Aufsatz „Über die Wahrheit der Abstammungslehre“ und verhalf Ditfurth damit nicht nur zu einem hervorragenden Start für sein Blatt, sondern auch zum Generalthema für fast alle späteren Arbeiten: die Evolution. Aus der 1964 gegründeten Zweimonatsschrift entstand später die Jahrbuchreihe „Mannheimer Forum“.

Doch Ditfurth hielt es nun nicht mehr lange in der Industrie. Er hatte mit seinem ersten Buch „Kinder des Weltalls“ begonnen und beschloß noch vor dessen Erscheinen, 1970, sich ganz der Wissenschaftspublizistik zu widmen. Die neue Karriere begann zunächst mit der verunglückten Gründung einer Wissenschaftszeitschrift, doch bald darauf mit einem Glücksfall für das deutsche Fernsehen, der preisgekrönten Wissenschaftsserie Querschnitt im ZDF.

Hoimar von Ditfurth wurde zum Missionar der Wissenschaftlichkeit. Immer stärker beseelte ihn der Wunsch, uns gedankenlose Sünder wider Natur und Geist zum richtigen Denken zu erziehen. Dies tat er rücksichtslos, weshalb er es sich mit so manchen Leuten verdarb, die ihn in ihrem Lager wähnten, allen voran mit den Psychoanalytikern. Harsch ging er mit Freud und den Freudianern ins Gericht; er mokierte sich über den Psychojargon und attackierte den schamlosen Bauernfang unzähliger Möchtegernpsychologen, die mit ihren selbstgestrickten Therapien gutgläubigen Kranken das Geld aus der Tasche ziehen.

Nicht minder kämpferisch stritt sich Hoimar v. Ditfurth mit Parapsychologen, Wünschelrutengängern und Sektierern aller Art. In einer denkwürdigen Fernsehdiskussion ließ er sich zu einer Wette gegen einen Astrologen hinreißen; sie bereitete ihm danach Ärger, weil seine spontane Formulierung nach Ansicht gewitzter Advokaten nicht wasserdicht genug für den Gewinn der Wette war.

Die letzten Jahre seines Lebens hat Hoimar von Ditfurth dem Versuch gewidmet, seinen Wissenschaftsglauben mit der Religion in Einklang zu bringen. Ein Leben nach dem Tod schien ihm im Licht der modernen Lehre von der Entwicklung der Arten und des Universums definierbar und gab ihm Anlaß, die überlieferten heiligen Schriften neu zu interpretieren. Der Tod hat diesen Meditationen des Hoimar von Ditfurth ein jähes Ende gesetzt. Thomas v. Randow