ch gehe" Gesänge wendet: "Ankündigen! Um Erlaubnis bitten! Abmelden! Abstoßen! Einklagen! Meutern! Mißgönnen! Und wenn du einmal eine Weile Ruhe hieltest?" Wer so energisch und penetrant sein Leitmotiv setzt und damit auch die Motivation für sein Erzählen, dieses Klagen und Anklagen, der provoziert, ob gewollt oder ungewollt, ein unüberhörbares Echo: eine Erinnerung an Ingeborg Bachmanns nicht nur für die Frauenliteratur längst kanonischen Text "Undine geht" aus dem Jahr 1961. Doch der Unterschied zwischen der Abschiedsdrohung, wut und trauer damals und der von heute könnte kaum krasser ausfallen.

Die Frauenstimme, die aus Angela Praesents Texten redet, will alles andere sein als ein Geschöpf aus anderem Element, aus Tiefe aufgetaucht, in Tiefe sich wieder entziehend.

Weder eine Undine spricht hier noch eine Kassandra oder Desdemona. Alle diese Identifikationsfiguren der Kolleginnen Bachmann, Wolf oder gar Christine Brückner und mit ihnen auch alle emphatischen bis weinerlichen Vorstellungen von weiblichem Weltanspruch und weiblichem Schreiben fegt die Prosa Angela Praesents beiseite mit ihrem flirrend mondänen Tempo und Schwung, mit ihrer locker sitzenden Schlagkraft.

So jedenfalls scheint es drei Geschichten lang, im ersten Drittel des Bandes. In der vierten wird dann auch die hier mythisch beispielgebende Figur bekennend beim Namen genannt: die Königin von Saba, eine Alleinherrscherin also von keines Mannes Gnaden. Nur wird sie hier vor unseren Augen verwirrenderweise abdanken, um sich mit König Salomo zu verbinden. Freiwillig und kaum hingerissen durch etwas wie Liebe, sondern verführt offenbar einzig durch Salomos sprichwörtliche Weisheit und vermutlich auch — oder werden wir mit dieser Vermutung zu sentimental? — auch durch die in seiner "Weisheit" verborgene Trauer. Auf Debüts, auf heftige Abweichungen von landläufigen und langweiligen literarischen Mustern, richtet sich heute eine gut nachfühlbare Neugierde. Von der hat Angela Praesents erste längere Erzählung "Au contraire" im Vorjahr zu Recht profitiert. Daß eine Autorin auf deutsch so erzählt, wie das für Autorinnen in New York, Paris, London und sogar Kopenhagen in diesem Jahrhundert sich von selbst versteht, nämlich mit Kalkül und Raffinesse, mit einer Energie der Verkürzung, mit konstruktiven wie inhaltlichen Tükken, ohne alle Larmoyanz — dieses erfrischend undeutsche Debüt mußte erstaunen und hat entzückt. Im ersten Drittel des neuen Bandes — der sich mit der programmatisch kosmopolitischen Gattungsbezeichnung Stories anbietet — werden diese beunruhigenden (doch auch gefälligen) Qualitäten neu zum Einsatz gebracht.

Und das eben an einem Thema, das die literarisch zuhandenen weiblichen Beschwerdehaltungen nur zu leicht ansaugen könnte. Doch diese hier aufbegehrende Frau, so mächtig sie sich auch als Aussteigerin, als eine Entzugserscheinung in Szene setzt, will aus der mitteleuropäischen Wirklichkeit nicht etwa auswandern, weil sie deren Kälte, Unwirtlichkeit oder patriarchalischen Gewaltstrukturen nicht länger gewachsen wäre. AH schlichtweg zu stark, als empfindlich unterfordert in unserer, wie sie alles in allem befindet, Stillstandsgesellschaft. Ihre intellektuelle wie ökonomische Durchsetzungskraft läuft kränkend leer. Wohin also mit der Vitalität, der Freiheit einer an keinen Mann gebundenen, durch kein Kind gefesselten, aller "archaischen Last enthobenen", aus allen Dunstkreisen weiblicher Abhängigkeit gründlich herausemanzipierten Frau? Dringend sucht sie nach jemandem, "neben dem ich in Ruhe etwas bauen könnte, das wenigstens ein Stück weit aus dem biologischen Unterholz herausragt". Aber so, allein "Ich schwamm hinaus. Im Wasser, allein, war ich immer wer Diese neue Undine stellt man sich unwillkürlich kraulend vor. Am Ufer hat sie Exemplare einer Gattung zurückgelassen, der ihr erster Abschieds- und Verachtungsbrief gilt: lauter junge Damen, "unnütz, zerbrechlich, feminin", eigentlich "einzigartig überholt", aber doch regsam nachwachsend, anschmiegsam und beliebt, erfolgreich leistungsverweigernd. So sinnt die einsame Schwimmerin "Unbrauchbar finster" scheint sie allen aufs angenehm Unverbindliche angewiesenen Männern, dann wieder "in weiße Wut gehüllt". Sie dagegen empfiehlt sich, schmissig vereinfacht fast zu einer Karikatur, folgendermaßen: "Ich eigene mich vorzüglich für internationalen Gebrauch — tropenfest, geländegängig wie ein Kamel Ich bin fast ohne Angst und würde in jedem Kriegsgebiet zu den letzten zählen, die Schaden nehmen "

So jedenfalls annonciert sie sich für ihren zweiten Briefadressaten, einen unter poste restante durch die Welt vagierenden Ethnologen, von dem sie sich für "internationalen Gebrauch" gern "anfordern"

ließe. Wir werden überrascht durch ein zwar immer noch stolzes, in Wahrheit aber schon klägliches Geständnis: