Heute fragen wir uns, wie es denn zu einem solchen Ereignis kommen konnte, ohne daß wir davon auch nur die leiseste Kunde hatten. Da wurden Ende Oktober die Vereinigten Staaten neu gegründet, und erst spät erfuhr die Welt davon. Doch Schauplatz war diesmal nicht Philadelphia, sondern ein beschauliches Bergbauerndorf im Oberallgäu, genannt Hindelang. Hierher hatte die Touristische Gemeinschaft der Alpenländer ihre Generalversammlung verlegt.

Hier war es auch, wo sich die Tourismusmanager wieder einmal um die geschundene Alpenregion sorgten und auf die Politiker schimpften, weil die mit ihren umweltpolitischen Planspielen nicht von der Stelle kommen. Denen wollten sie’s diesmal zeigen und selbst „konkret planen statt zu plappern“.

So faßten die sechs alpinen Anrainerstaaten die „Hindelanger Beschlüsse ’89“ und proklamierten die „United States of the Alpes“, kurz und weltläufig USA genannt. Manifestiert wurde eine Wahrheit, die keinem mehr entkommen sollte im Öko-Zeitalter und die da lautet: „In den Alpen ist der Gast nicht unbedingt König, die erste Geige spielt die Natur.“

Für das prächtige Sümmchen von 350 000 Dollar wird im nächsten Jahr eine Werbekampagne gestartet, in deren Mittelpunkt eine Broschüre steht, die wahrheitsgemäß über die Alpen informiert und selbstredend den Titel trägt „The United States of the Alpes“.

Schon wollten wir zum Applaus anheben und rufen: „Jawoll, das sind doch endlich mal Taten!“ Da dämmerte uns des Traktätchens wahre Bestimmung, da wurden wir seines werbenden Auftrags gewahr, der wohldurchdacht und ohne Umschweife auf einen potenten Markt zielt – auf die United States of America und ihre reisefreudigen Bürger.

Denn die, so hatte eine Marktuntersuchung ergeben, würden sich allzu gern die Alpen anschauen, wenn sie nur wüßten, wo die liegen, wie man hinkommt und was da los ist. Alles ganz einfach, werden sie nun via Broschüre und großangelegter Werbeaktion erfahren: Da gibt es ein Europa, und dieses Land hat Rockies, die heißen Alpen. Diese Alpen sind sehr hoch, sehr schön und sehenswert, und sie warten nur darauf, daß ihr kommt.

Damit auch alles gutgeht, steht schon ein „weltweit operierender“ Veranstalter bereit, der euch an die Hand nehmen und alles für euch regeln wird in den United States jenseits des Teichs. Drüben freu’n sich bereits alle auf euch: die Hoteliers und die Wirte, die Gamsbarthersteller und die Alphornbläser. Jetzt müßt ihr nur noch hinfliegen. Okay?