Schon bald nach der patenten Erfindung des Herrn Daguerre sind die Photographen auf den Hund gekommen. Zwar wissen wir nicht auf den Tag genau, wann und wo welches treue Hundeauge zum erstenmal in eine Camera obscura geblinzelt hat, doch lassen die überlieferten Dokumente keinen Zweifel daran, daß Astas und Ajax’ Vorfahren von Anfang an im Bilde waren.

150 Jahre Photographie sind auch 150 Jahre fixierte Hundeschnauzen, Hängeohren und Stummelschwänzchen. Ganz selbstverständlich ist unser ältester Hausfreund und Kumpel, Weggefährte des Menschen durch die Höhen und Tiefen der Kulturgeschichte, in all seinen rassigen Erscheinungsformen ins Lichtbild gerückt, als Herrchen das Knipsen lernte. Die tragende Rolle, die ihm da zufiel, dokumentiert der Bildband „Hunde vor der Kamera, 150 Jahre Photographie aus der Sammlung von Uwe Scheid“, eine ergötzliche Auslese von lauter Photos mit Fiffi, erschienen im Kunstverlag Weingarten, entstanden zur Ausstellung einer Auswahl dieser Bilder im Fotomuseum des Münchener Stadtmuseums (zu sehen noch bis zum 7. Januar 1990).

Herausgeber Rainer Wick schreibt im Vorwort des Buches, ein bißchen in Sorge vielleicht ob möglicher Bedenken der Leser hinsichtlich der gesellschaftlichen Relevanz des Unternehmens: „Machen Sie, lieber Leser, daraus das Beste, notfalls amüsieren Sie sich!“ Man amüsiert sich unbedingt. Wie da Herrchen und Hundchen, geläufiges Motiv der Bildnerei seit den Zeiten der Daguerreotypie bis heute, galerienweise in komplementärer Schönheit posieren, schmeichelt Hundchen mehr als Herrchen. Hundchen, abwechselnd kuschelig auf Schoß oder Sofa drapiert, der Länge lang auf dem Teppich oder höchst repräsentabel auf der Wohnzimmertischdecke, ist in den Pioniertagen der Photographie meist ein schon etwas betagtes Exemplar, ein gewissermaßen in sich ruhendes Wesen mit verständnisinnigem Blick für lange Belichtungszeiten. Später, als die Technik fortgeschritten und die notwendige Belichtungszeit viel kurzer geworden ist, werden dann auch Bilder möglich, die man schon beinahe Schnappschüsse aus dem Hundeleben nennen möchte – wie das nebenstehende Photo einer beherrschten Levade auf der Hinterhand in England um 1880 oder, darunter, die indiskrete Ablichtung zweier Möpse beim vermutlich samstäglichen Bade in Hamilton auf den Bermudas, zehn Jahre später.

Die Bilder sagten mehr über die Menschen als über die Hunde, meint der Photograph Elliott Erwitt, den Michael Koetzle in seinen einführenden Worten zitiert. Da wird er recht haben. Jedenfalls solange sie noch nicht selber knipsen, die Hunde.

A.B.