ch war froh, als der Bus kam. Man spürt immer ein gewisses Glücksgefühl, wenn der Bus kommt. Es ist natürlich eine kleine, spezialisierte Art von Glück, und es wird nie eine große Sache sein Bei Richard Brautigan ist man immer in Gefahr, zuviel zitieren zu wollen. Er beherrscht meisterhaft die Kunst, selbst für die banalsten aller Banalitäten noch einen Nenner zu finden, der seine Aussage exakt auf den Punkt bringt. Scheinbar mühelos und lässig umreißt er in wenigen Worten Figuren, beschreibt er in ein, zwei Sätzen ganze Tragödien.

"Die Rache des Rasens" ist der neunte Band innerhalb der Brautigan Werkausgabe bei Eichborn und versammelt Geschichten, die zwischen 1962 und 1970 entstanden sind. Mindestens die Hälfte dieser Stories sind meiner Meinung nach heute antiquiert und literarisch ohne jede Bedeutung. Sie sind allenfalls noch interessant als Dokument einer Zeit, in der die Flower Power Jugend im Gras lag "wie vergammelte Bettvorleger, die auf die Ankunft des großen weisen Teppichhändlers warteten".

Brautigan hat die Hippie Kultur in seiner Geschichte "Das verratene Königreich" schön entlarvt. Dort ist die Rede von einem Mädchen, das sich jeden Abend von einem anderen Jungen nach Hause fahren läßt und damit bei dem Fahrer die Hoffnung auf ein Liebesabenteuer weckt. Die Aufgedonnerte der Nacht hat jedoch ganz anderes im Sinn, sie will lediglich kostenlos nach Hause gebracht werden. Die bereits Geprellten können sich über diesen "esoterischen Insiderwitz" nur mit Schadenfreude hinweghelfen und lästern jede Nacht über das neue Opfer, dessen "Kismet ihn dazu bestimmte, die Bekanntschaft eines Fußbodens in Berkeley zu machen".

Am stärksten ist Brautigan, wenn er Menschen und ihre Beziehungen beschreibt. Dabei ist er nie denunziatorisch oder selbstgefällig, immer gehört seine Sympathie den ewigen Verlierern "Das hier hätte eine lustige Geschichte werden können, wenns nicht so wäre, daß die Leute ein bißchen Liebe brauchen, und, Gott, manchmal ist es schlimm, durch wieviel Scheiße sie müssen, um ein bißchen was zu finden "

Brautigans Größe macht wohl seine Begabung aus, mit einer unverschämten Selbstverständlichkeit Dinge abzuhandeln und anzusprechen, die anderen Autoren zu trivial erschienen, und dafür auch noch die adäquaten Worte zu finden. Immer wieder steht man staunend vor dieser einfachen und unverbrauchten, dieser kühnen und direkten Sprache, die aus der "erschreckenden Fähigkeit [lebt], sich nicht um den gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand zu kümmern, sondern sich auf das Ungewöhnliche zu konzentrieren" (Keith Abbott).

Brautigan besitzt die Naivität desjenigen, der die Dinge zum ersten Mal sieht, kein Wunder bei einem Menschen, dessen "einziges Spielzeug sein Hirn war", wie Tom McGuane über den Freund sagte. Die Kritik hat Brautigan immer als HippieSchreiber zu schubladisieren versucht. Das war er mit Sicherheit nicht. Er war ein notorischer Einzelgänger, auch als Schreiber. Seine Geschichten sind Miniaturen einer vollkommen individuellen Biographie und Phantasie. Er ist "der Gastdichter in diesen Kinos", in denen man "für einen Dollar vier Filme anschauen kann", und gehört zu "den spontanen Gemütern, die mit den Filmen sprechen, weil die Filme für sie genauso wirklich sind, wie irgendwas sonst, was ihnen unterkommt". Auch wenn man ihn als Weltfremdling bezeichnen muß, sich viele seiner Geschichten wie schöne, aber unrealistische Utopien lesen lassen, das meiste harmlos unverdorben daherkommt, ist Brautigan doch ein kurzweiliger und schlauer Erzähler, der zwar vorgibt, alles, was er zu berichten hätte, seien "Bruchstücke aus einem fernen Leben, die keine Form oder Bedeutung haben", seine Leser aber dann doch immer wieder mit subtilen Spitzen frappiert und aufschreckt. Zum Beispiel, wenn er von den drei jungen Hunden erzählt, die sich im sorglosen Vergnügen in schreckliche Wälder verlaufen haben, wo sie vor Angst und Hunger schreien, und Brautigan dann seine Furcht bekennt, "daß diese armen, verirrten Hunde die Vorzeichen einer künftigen Reise sein könnten, wenn wir nicht aufpassen". Wolfgang Rttger Geschichten, aus dem Amerikanischen von Günter Ohnemus; Eichborn Verlag, Frankfurt 1989; 204 S, 20 - DM