Von Nikolaus Piper und Fritz Vorholz

ZEIT: Herr Lutzenberger, Sie kämpfen seit zwanzig Jahren gegen die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien. Sehen Sie Erfolge?

Lutzenberger: Wir haben mehr erreicht, als wir je hofften. Die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank haben ihre großen Kredite an die brasilianische Regierung zurückgestellt. Große Siedlungsprojekte wie in Polonoroeste oder in Rondonia sind heute schon nicht mehr möglich. Kredite für den Straßenbau und ähnliches werden von der Weltbank nur noch mit Umweltauflagen vergeben. Das reicht natürlich noch längst nicht. Besser wäre es, wenn überhaupt keine Kredite mehr fließen würden. Aber es hat sich doch gezeigt, daß es lohnt zu kämpfen.

ZEIT: Sind denn diese Großprojekte tatsächlich an der Regenwaldzerstörung in Brasilien schuld? Ist es nicht vielmehr der Landhunger der vielen kleinen Bauern?

Lutzenberger: Die Großprojekte sind ein ganz schlimmer Faktor, aber nicht der einzige und nicht immer der schlimmste, obwohl sie durch Zubringerstraßen und ähnliches den Urwald für die Siedlungen erst öffnen. Das schlimmste sind heute die großen Viehfarmen. Sie werden alle vom brasilianischen Staat subventioniert, und ohne diese Subventionen würde niemand auf die Idee kommen, Hunderte Hektar im Regenwald für Viehweiden zu roden. Die Farmen sind ökonomisch völlig sinnlos, die Produktivität ist skandalös niedrig.

ZEIT: Gelten die Subventionen auch für die industriellen Großprojekte?

Lutzenberger: Auch die sind subventioniert. Der große Damm am Tucurni hat uns 6,5 Milliarden Dollar zusätzliche Auslandsverschuldung gekostet. Es wurden 2000 Quadratkilometer intakter Urwald überflutet und dabei zwei Indianerstämme ausgerottet. Die Gummisammler vertrieb man einfach, indem man Gummibäume und Paranußbäume mit Herbiziden zerstörte. Und was geschieht jetzt mit dem Strom? Der wird an drei große multinationale Aluminiumhütten geliefert, und zwar zu dreißig Prozent der Gestehungskosten.