Herbst 1981: Das Lübecker Ingenieurkontor IKL, ein im U-Boot-Bau erfahrenes Konstruktionsbüro, schließt mit der südafrikanischen Firma K.F. Albrecht & Co. in Kapstadt einen Provisionsvertrag. Albrecht soll IKL in Südafrika ins Geschäft bringen. Aus den Akten des Untersuchungsausschusses geht hervor, daß diskret ausführliche Gespräche geführt wurden, unter anderem mit Vertretern der Howaldtswerke – Deutsche Werft AG. HDW baut U-Boote für die Bundesmarine.

Frühjahr 1982: Die Stahlhandelsfirma Ferrostahl erkundigt sich bei HDW nach etwaigen Marine-Projekten Südafrikas und signalisiert, man sei bei einem eventuellen U-Boot-Geschäft an einer Mitwirkung interessiert.

Frühjahr 1983: Das U-Boot-Geschäft mit Südafrika wird konkret. Im Juni findet darüber ein sogenanntes „Eigentümergespräch“ statt, an dem unter anderem Finanzminister Gerhard Stoltenberg als Eigentümer-Vertreter und der Vorstandsvorsitzende der HDW, Ahlers, teilnehmen.

Drei Varianten des Geschäfts werden erwogen: Lieferung von kompletten U-Booten (Auftragswert: je nach Variante eine bis vier Milliarden Mark), die Lieferung von Konstruktionsunterlagen und etwaiger Komponenten (Wert: 475 Millionen Mark) oder lediglich der Transfer des technischen Know-hows (Blaupausen) (Wert: 116 Millionen Mark).

In den Eigentümergesprächen hat es laut HDW-Firmenprotokoll „eine ziemlich klare Absage gegeben“, gleichwohl war HDW-Vorstand Ahlers zugesagt worden, man wolle sich weiter mit dem Fall beschäftigen. Hintergrund dazu: In einem Dreiergespräch zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl, Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat vor allem Strauß das Geschäft favorisiert. Die „klare Absage“ aus Bonn wurde von den Unternehmen offenkundig nur als Absage pro forma verstanden. Der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Ernst Pieper, jedenfalls handelt als Aufsichtsratsvorsitzender der HDW am 28. Oktober 1983: Pieper schickt dem Bonner Finanzminister Gerhard Stoltenberg „persönlich vertraulich“ und „absprachegemäß“ einen „Vermerk über das südafrikanische Projekt, das bei uns unter der Bezeichnung IK 97 läuft“. Der Vermerk „IK-97“ ist der wichtigste Schlüssel zum Verständnis der späteren Affäre. Aufgrund dieses Vermerks hätte der Finanzminister die Möglichkeit gehabt, alle weiteren Aktivitäten kategorisch zu untersagen. Dem Vermerk war nämlich nicht nur zu entnehmen, daß sich die Firmen der Rechtswidrigkeit ihrer geplanten Geschäfte von Anfang an bewußt waren. Offenbar wurde auch, daß die Rechtswidrigkeit verschleiert werden sollte. Laut Vermerk für den Minister sollten

  • die U-Boot-Pläne per Mikrofilm in südafrikanischem Diplomatengepäck nach Pretoria gebracht werden,
  • die Schiffe durch Aufbauten so verändert werden, daß deutsches Design nicht mehr erkennbar würde und
  • Wege beschritten werden, die der Bundesregierung erlauben, ihr Gesicht zu wahren.

Während Bonn abwartet, lassen die Firmenvertreter, vor allem deren Bonner Lobbyist, der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Siegfried Zoglmann, 1970 zur CDU konvertiert, intensive Kontakte spielen – mal zu Verteidigungsminister Manfred Wörner, mal zu Außenminister Hans-Dietrich Genscher, zu Ministerialdirektor Lorenz Schomerus aus dem Wirtschaftsministerium oder auch zu Ministerialdirektor Horst Teltschik, dem Vertrauten des Kanzlers an der Spitze der außenpolitischen Abteilung des Kanzleramtes. Zweck der Aktivitäten: Bis zum bevorstehenden Besuch des südafrikanischen Staatspräsidenten Pieter W. Botha sollte das Geschäft perfekt vorbereitet sein.