Immer wieder versucht die Autoindustrie in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, die Krebsgefahr durch Dieselabgase sei wissenschaftlich nicht erwiesen. Die Aufregung in der Öffentlichkeit sei „nicht gerechtfertigt“, hieß es beispielsweise im November 1988 bei einer Tagung über die Zukunft des Dieselmotors in Wolfsburg. In ihrem Bestreben, Autos von Umweltrisiken freizusprechen, scheuen die Industrievertreter selbst vor Totschlagargumenten wie diesem nicht zurück: Die Gefährdung durch Dieselabgase sei gegenüber der Gefährdung durch das Rauchen „äußerst minimal“.

Und beim Mercedes-Benz-Workshop vor einigen Monaten zum Thema Nutzfahrzeug und Umwelt wurde – noch scheinbar sachlich – festgestellt: „Die Ergebnisse der Wirkungsforschung sind hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Menschen derzeit noch umstritten.“ Solche Aussagen sind irreführend. Unter Wissenschaftlern ist weitgehend unumstritten, daß Dieselabgas als krebserzeugend eingestuft werden muß:

  • In fünf Experimenten an fünf Instituten aus vier Ländern traten bei zwei Rattenstämmen nach Inhalation von Dieselabgas Lungentumore auf. Die Versuche wurden zum Teil von der Autoindustrie selbst finanziert.
  • Alle deutschen Fachgremien beurteilen Dieselabgas als einen krebserzeugenden Stoff. Das Umweltbundesamt und das Bundesgesundheitsamt gehen gemeinsam davon aus, daß „grundsätzlich mit einem krebserzeugenden Potential auch für den Menschen zu rechnen“ ist.
  • Die MAK-Kommission – sie legt Grenzwerte für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz fest – beurteilt Dieselabgas als krebserzeugenden Arbeitsstoff.
  • Eine Expertengruppe beim Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) stufte Dieselabgas zusammenfassend als „wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugend“ ein. Auch das amerikanische Institut für Arbeitsmedizin kam zu einer entsprechenden Bewertung. Die wesentlichen Untersuchungen, die zu diesen Bewertungen führten, wurden von den beiden Krebsforschern Friedrich Pott von der Düsseldorfer Universität und Uwe Heinrich vom Fraunhofer Institut für Toxikologie und Aerosolforschung in Hannover geleitet.

Ganz im Gegensatz zur vorherrschenden Philosophie des präventiven Gesundheitsschutzes bezweifelt freilich die Autoindustrie, daß die Ergebnisse aus den Tierversuchen auf den Menschen übertragen werden dürfen. Alle vorliegenden Studien, hieß es bei der Tagung in Wolfsburg, hätten „keinen schlüssigen Nachweis einer lungenkrebserregenden Wirkung von Dieselmotorabgasen beim Menschen ergeben“.

Das Argument ist schlicht unverantwortlich. „Wissenschaftliche Kenntnislücken dürfen nicht zu Lasten der Bevölkerung gehen. Dies wäre jedoch der Fall, ließe man Expositionen grundsätzlich so lange zu, bis ein methodisch anerkannter Nachweis der Gesundheitsschädlichkeit erbracht ist“, heißt es zu solchen Einwänden im Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen vom November 1987.

Und der Düsseldorfer Krebsforscher Pott schreibt: „Der qualitative Analogieschluß von einer krebserzeugenden Wirkung beim Versuchstier auf den Menschen wird durch zahlreiche bereits nachgewiesene Übereinstimmungen gestützt.“