Krabben und Räucheraal, Teepunsch und Eiergrog, rote Grütze, serviert unter Reetdächern in den hübschen Friesenhäusern und stattlichen Haubargen. Diese Spezialitäten findet der Besucher auf den Speisekarten der dreißig Kilometer langen und fünfzehn Kilometer breiten Nordseehalbinsel Eiderstedt. Dort, wo der Himmel so weit ist, wie es sich kein Bayer vorstellen kam. Viel Platz haben die weißen Wolken über dem flachen Land mit den gelben Rapsfeldern im Frühsommer, mit den Weiden, Kühen, Schafen und mit dem Eidersperrwerk, einem der größten Küstenschutzbauwerke des europäischen Kontinents.

Gotische Kirchen gibt es hier, deren Backsteine bei Sonne so unnachahmlich leuchten können. Und die mittelalterliche Sportart Boßeln, dieses Boccia-Spiels über die Felder, bei dem der klare Weizenkorn in Strömen fließt. Oder Klootstockspringen. Denn wie kommt ein Bauer von einer Weide zur nächsten, wenn ein breiter Graben dazwischenliegt? Er nimmt einen Stock, stakt ins Wasser und schwingt sich wie Tarzan hinüber. Und noch ein sportliches Unikat gibt es in Eiderstedt: Auf dem kilometerlangen, festen Sandstrand von St. Peter-Ording können die dreirädrigen Strandsegler mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu neunzig Kilometer in der Stunde entlangfliegen.

Viele Photos, kurze, erklärende Texte: „Streifzüge durch Eiderstedt (Karl-Heinz Peters/Horst Kuhberg; Mira-Verlag, Künzelsau 1989; 36,– DM) ist ein Band besonders für all die Süddeutschen, die nun endlich wirklich einmal Richtung Norden nach Schleswig-Holstein fahren und für mehr als zwei Tage in dieser für sie gewiß exotischen Landschaft bleiben wollen.

Astrid von Friesen