Der wichtigste Satz, der sich in diesem sympathischen Buch über den sehr sympathischen Architekten Walter Segal (1907 1985) finden läßt, lautet so: "Meine Art zu bauen, ist nicht ein Holzsystem, es ist eine Methode zu denken Denken, nachdenken, etwas durchdenken — das hatte ihn von Kind auf fasziniert, obwohl (oder weil) er, der Sohn eines erfolgreichen Malers in Berlin, von Künstlern und ihren rhetorischen Ergüssen umringt war.

Walter Gropius, der zu den Gästen gehörte und seine talentierten Zeichnungen sah, wollte ihn als Bauhaus Schüler haben, aber der junge Mann widerstand: keine Theorie dort, keine Baugeschichte, nur Ästhetik und Sozialvisionen. So studierte er lieber an der biederen TH in Berlin, langweilte sich, schlich sich schließlich bei Hans Poelzig ein, dem begehrtesten Lehrer von allen. Nebenbei entdeckte er die faszinierende Denkwelt der Ingenieure, die aus seinem Fachgebiet ausgeschlossen waren (und es meist heute noch sind), und erwarb sein Diplom.

Schon gleich danach, 1932, baute er das erste von etlichen Holzhäusern, die "Casa Piccola"; es war so klug konstruiert, daß es in drei Wochen errichtet war. Es war sein erster Versuch — und es war sein erster sanfter Protest gegen die herrschenden Moden seines Fachs.

Auch wenn er dann auf Mallorca baute, ägyptische Stühle studierte, in London dies und das machte, hatte er das Thema seines Lebens längst gefunden: das einfache, perfekt durchdachte und durchgearbeitete, preiswerte kleine Haus, ob einzeln, in Reihen oder Gruppen, allesamt von einer konzisen, poetisch überhöhten Sachlichkeit und menschenfreundlich in Konzeption und Detail. Letztlich war es gleich, woraus derlei vom gesunden Menschenverstand inspirierte Häuser gemacht waren, aus Holz, Stein, Stahl oder, warum nicht, aus Kunststoff. Er war ein großer Probierer, ein neugieriger Mann und ein guter Lehrer.

Nun endlich wurden er und sein Tun zum Anlaß für ein sehr ernst zu nehmendes, merklich mit Sympathie geschriebenes Buch über ihn, zugleich aber eine Aufforderung an seinesgleichen und auch an diejenigen, welche ein Dach überm Kopf brauchen, und welche er immer zum Selbermachen animieren wollte. Es heißt "Von Segal lernen", sein Verfasser ist der Engländer John McKean. Er läßt Segal, so oft es tunlich ist oder möglich war, selber sprechen, zitiert aus Notizen, Aufsätzen, Tonbandprotokollen und illustriert seinen abwechslungsreichen Bericht mit Zeichnungen und Photographien.

Walter Segal hat eine ganze Anzahl erfrischend einfacher, durchweg schön proportionierter Häuser gebaut, lauter vernünftige, ansehnliche Gebäude. Es hatte ihn dabei auch nicht nur interessiert, wie die Grundrisse, sondern auch wie ihre Benutzer "funktionieren": Er war ein anthropologisch interessierter Architekt. Er haßte die massenhaften, Stadtränder verseuchenden Siedlungen voller "Un Architektur", die schäbigen, grauen, lieblos fabrizierten Nachkriegssiedlungen; er wollte statt billiger banaler Simplizität intelligente preiswerte Einfachheit.

Was Wunder, daß man sich schnell festliest — es wäre noch angenehmer, hätte der Verlag eine angenehmere Schrift gewählt als diese fliegenbeinige, steife, vor den Augen zerfließende Groteskschrift. Denn, nicht wahr: welcher Architekt wäre zu Zeiten neuer Wohnungsnöte aktueller als er, als Walter Segal? MS John McKean: