Vorausgesetzt, es ist keine Ente, die uns eine seriöse deutsche Hotelfachzeitung serviert, dann gibt folgende Meldung Anlaß, ernsthaft über die Elite der Nation nachzudenken – über die Manager der Leichtindustrie (Reise, Mode, Maschinenbau) und der Schwerindustrie (Kohle, Stahl, Medien). In London, so heißt es da, existiere ein Hotel, in dem der Gast eine Gummiente für die Badewanne erhalte, um sich beim Spielen entspannen zu können.

Gestreßten Managern allerdings wird ein sprechender Schwimmvogel ausgehändigt, der unablässig quakt: „Du bist stark, du bist groß, du bist erfolgreich.“ Eine schöne Vorstellung, wie der abgeschlaffte Businessman den aufbauenden Zurufen seiner Sprech-Ente lauscht. Zum Lachen allerdings ist kein Grund gegeben, denn die Ente schnattert nur nach, was die Gebetsmühlen der Managerschulen vorplappern. Dort lehren Kommunikations-, Verhaltens- und Seelenforscher jedweder Spezies eine Glaubensbotschaft, die uns im Hinblick auf eine gesunde Managerseele sehr bedenklich erscheint. Die Gurus wirtschaftsorientierter Zwischenmenschlichkeit stülpen nämlich über jeden Karrieristen eine aus psychologischem Garn gewebte Tarnkappe, die den ureigensten Charakter des Wirtschaftsführers weitgehend verschwinden läßt. So erhalten wir lauter Mister Hydes, aus denen der Dr. Jekyll nächtens nur deshalb nicht ausbricht, weil der Erfolgsdruck gegenüber den Aktionären ihn zügelt.

Die Glaubensbereitschaft der Gedrillten ist groß und steht nicht hinter ihrem Drang zurück, alles Gehörte sogleich in die Tat umzusetzen. Deshalb kann man nur hoffen, daß nicht ein Bösewicht daherkommt und Sabotage-Enten in die Wannen schmuggelt, die da zärtlich schnattern: „Du bist sanft, du bist sinnlich, du bist...“

Die Folgen wären verheerend. Über dieser fatalen Botschaft könnte unsere ganze schöne Wirtschaft zusammenbrechen.

Rainer Schauer