Sie ist wie ein weißes Küken zwischen dunklem Federvieh, die kleine Alys mit den hellen Haaren und den hellen Augen zwischen ihren Eltern und Geschwistern. Und als es ihr erst einmal aufgefallen ist, beginnt sie nachzudenken und die hier und da aufgeschnappten Gesprächsfetzen zusammenzusetzen, bis schließlich die Wahrheit herauskommt: Zwei verfeindete Familien hatten ihre Kinder ausgetauscht. Die "Friedenskinder" sollen an das Versprechen erinnern, nie wieder mit unsinnigem Blutvergießen und Streit die alte Blutrache zwischen den Castells und den Butlers aufleben zu lassen.

England in der Mitte des 14. Jahrhunderts, Großbauern und Reeder, Landleben m Cambridgeshire und Wohnen in der Stadt London. Alys, das Friedenskind, ist hm- und hergerissen zwischen diesen beiden Welten.

Beinahe ein Märchen. Das blonde Kind besteht viele Abenteuer: Es entkommt dem Räuber und verläuft sich im Wald. Wird von Fuhrleuten betrogen und von einer Brücken Hexe eingefangen. Es rettet den bedrohten Ritter, stirbt beinahe an der Pest und bekommt zum Schluß den Prinzen, Sohn der Leihfamilie.

Und doch nicht nur ein Märchen. Die Autorin hat sich genau umgesehen in den Landschaften, die sie im Buch schildert, und sie hat sich mit der Zeit vertraut gemacht, in die sie ihr Friedenskind hineinschrieb: dem Leben eines bäuerlichen Adligen im Ablauf der Jahreszeiten. Als Alys zu ihrer leiblichen Mutter nach London zurückkehrt, lernt man auch das zurückgezogene Dasein der Frauen in einer vornehmen Familie kennen. Singspiele der Kinder, Bauernrevolte und Epidemien sind Teil dieses englischen Geschichtsbildes.

Nur der Austausch von Friedenskindern ist eine Anleihe bei den Sitten der Sawis, Kopfjäger in Neuguinea "Weil", so die Autorin im Nachwort, "ich mich gefragt habe, wie sich diese Idee in England wohl bewahrt hätte. Ich habe mich auch gefragt, was die vertauschten Kinder wohl empfunden haben mochten, als sie heranwuchsen. Um das herauszufinden, habe ich dies Buch geschrieben "

Da Knegs Utopien reichlich auf dem Markt vertreten sind, kann man einer gelungenen Friedens Utopie nur Glück wünschen "Das Friedenskind" ist Teil einer Reihe "Geschichte und Abenteuer", die man gern empfehlen mag, weil sich die abenteuerlichen Verwicklungen aus dem Leben selbst ergeben — vor einem historischen Hintergrund.

Die Bücher faszinieren auch durch ihre Titelgraphiken. Tilman Michalskis auf den ersten Blick harmlose Gestalten haben eine suggestive Art, den Betrachter anzustarren.