Opio, acht Uhr am Morgen. Das Frühstücksbuffet im Club Med lockt mit altbewährter Vielfalt: Müsli, Butter-Croissants und scrambled eggs wetteifern um die Gunst der „netten Mitglieder“, der „GMs“. Doch das Profil der gentils membres hat sich gewandelt. Nur vereinzelt traben sie in Jogginghosen über die Terrasse. Es dominieren zu so früher Stunde noch das weiße Hemd und der Schlips – Seminarteilnehmer, die sich beim Schlemmerfrühstück gute Laune für ihre Marketing-Schulung holen.

Opio liegt vor den Toren der Parfum-Stadt Grasse, eingebettet in Olivenbäume und Pinien, und kann als gelungener Prototyp für die Clubdörfer der Zukunft gelten. Sie sollen Urlaubern und Seminarteilnehmern gleichermaßen gerecht werden und auch den gestreßten Geschäftsmann ansprechen, der hier bei Golf, Tennis und an Pool ausspannen kann, ohne deshalb von der Welt abgeschnitten zu sein; Telefax und Telex verbinden ihn mit seinen Kunden und dem Büro.

Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, da der Club Med für exotische Dorfatmosphäre stand. Die neue Linie setzt auf Komfort. Alle Zimmer haben Klimaanlage, Telephon und Kabelfernsehen. Auf persönlichen Service wird Wert gelegt. Schmucke Kofferboys und -girls übernehmen schon am Parkplatz vor dem autofreien Dorf das Gepäck. Man wünscht sich ein internationales Publikum. An der Rezeption und Bar wird neben Französisch auch Englisch, Deutsch und Italienisch gesprochen.

Die Architektur des Tausend-Betten-Dorfes gibt sich gekonnt provenzalisch: Pastellfarben – Ocker, Rosa, Gelb – überziehen dreistöckige Pavillons, deren Fassaden von mattgrünen, den Blättern der Ölbäume nachempfundenen Holzläden aufgelockert werden. Die Gebäude mit klingenden Namen – „Estragon“, „Anis“, „Jasmin“ – gruppieren sich um Innenhöfe und verwinkelte Durchgänge, an denen Orangen- und Zitronenbäume stehen und über die im Laufe der Zeit mediterranes Grün ranken soll. Sie werden, ähnlich wie die umliegenden Bergnester, von einem Turm überragt, von dem der Blick bis zum Meer reicht. Schließlich ist Nizza nur dreißig Kilometer entfernt. Dennoch orientiert sich das seit Juni geöffnete Dorf bewußt zum Land hin und wirkt damit schon von der Anlage her wie eine Absage an das altbewährte Motto „Sea, Sun and Sex“.

Betritt man den Seminar- und Konferenztrakt, bleibt von der herkömmlichen Club-Med-Atmosphäre wenig übrig. Hier herrscht in lichten Räumen Geschäftigkeit. Sechs Konferenzräume sind mit allen technischen Einrichtungen (Diaprojektor, Video- und Übersetzungsanlage) ausgerüstet und bieten bis zu hundert Tagungsteilnehmern Platz. Im schallisolierten Auditorium mit Breitleinwand können zusätzliche siebzig Personen unterkommen. Weitere Tagungsmöglichkeiten sind im Pavillon Valbonne und im Clubhaus am Golfplatz gegeben. „Für Großveranstaltungen kann zudem der 800 Personen fassende „Palladio-Saal“ mit Bühne, Leinwand und Lautsprecheranlage hinzugezogen werden.

Ist die Innenausstattung der „Geschäftsräume“ zweckmäßig nüchtern, so wird im übrigen Dorf der Einfluß von Matisse und Picasso deutlich; die Fresken im Restaurant „Olympiade“ erinnern an Fernand Léger – schließlich ist Biot mit dem Leger-Museum nur zehn Kilometer entfernt, und auch St. Paul, Vence und die Fondation Maeght sind nicht weit.

Überall spürt man die geschmackvolle Konzeption des Innenarchitekten Alberto Pinto, der von den mattblauen Kacheln und den Haken im Bad bis zum poppigen Geschirr des „Graffiti-Restaurants“ alles bis ins kleinste Detail durchdacht hat. Das „Palladio“, in Gelbtönen gehalten, mutet römisch an, das weiß-blau gekachelte Hallenbad erinnert an ein orientalisches Badehaus, und in der Disco kommt Hafenatmosphäre auf. Frische Farbkombinationen und großzügige Raumaufteilung geben der Anlage ein Flair von provenzalischem Luxus. In ihrer Mitte schwappt sanft der Pool und vermittelt die Illusion eines friedlichen Sees.