Der Kommissar im TV Krimi ist mit seinem Latein am Ende. Doch sein Jungassistent wirft den Computer an und läßt sich von der Maschine alle potentiellen Missetäter mit einschlägigen Vorstrafen und typischen Merkmalen ausdrucken. Bald ist der Bösewicht eingekreist — nur eine Handvoll Kandidaten gilt es noch zu verhören, dann ist der Täter gefaßt.

Unsereiner hält es für selbstverständlich, daß ein Computer aus einer Unmenge gespeicherter Daten blitzschnell diejenigen herausfischen kann, die gerade gebraucht werden, sei es, um den Lagerbestand bestimmter Waren zu ermitteln oder zum Beispiel um eine Liste aller Kunden zusammenzustellen, die in Süddeutschland wohnen, Lehrer(innen) sind und im laufenden Jahr Produkte der Firma in einem Gesamtwert gekauft haben, der über dem Durchschnitt liegt. Tatsächlich ist so eine, den Laien einfach anmuterde Abfrage einer Datenbasis nach bestimmten Kriterien keineswegs trivial. Jahrzehntelang führten überhaupt nur solche Kombinationen von Datenmerkmalen zum Sucherfolg, die der Programmierer der Datenbank vorausgesehen hatte.

Inzwischen vermag zum Beispiel eine Linienfluggesellschaft der Strafverfolgungsbehörde helfen, die erfahren möchte, welche Personen in letzter Zeit auffallend häufig an den gleichen Tagen zu den gleichen Zielen geflogen sind, obwohl die Datenbank der Gesellschaft für einen solchen Service gar nicht vorgesehen ist. Dieses — fiktive — Beispiel läßt zugleich erahnen, wie dringlich es ist, daß der Datenschutz mit der Informationstechnik Schritt hält.

Diese Technik erhielt im letzten Jahrzehnt zwei Schübe, die sowohl die Einrichtung als auch die Bedienung von Datenbanken enorm erleichtert haben. Der eine, die Erfindung der "relationalen Datenbank", sorgte dafür, daß die verwalteten Daten erheblich weniger Speicherplatz einnehmen als früher und Änderungen an einzelnen Datensätzen — zuvor eine aufwendige und fehleranfällige Prozedur — problemlos geworden sind; seither ist die beliebte Behauptung von Firmen und Behörden, man könne wegen der Umstellung auf EDV individuelle Besonderheiten nicht mehr berücksichtigen, nur noch eine faule Ausrede.

Den anderen Entwicklungsschub benennt das Kürzel SQL (für structured query language). Mit dieser "strukturierten Abfragesprache" hat sich der Traum von der schon erwähnten Datenselektion nach beliebigen Kriterien erfüllt. Mehr noch: Weil es IBM (wem sonst?) gelungen ist, diese Sprache zu einem Standard zu machen, ist es kein Problem mehr, mit dem eigenen Datenbankprogramm auch auf Banken anderer Institutionen zuzugreifen, sofern sie dies gestatten. Die Sprache SQL aber ist nicht gerade einfach zu erlernen. Diesen Stolperstein hat das Softwarehaus Borland jetzt fortgeräumt. Sein Ziel war es, ein Datenbanksystem zu entwickeln, das der Großkonzern, aber auch die Autowerkstatt gewinnbringend einsetzen kann, dessen Benutzung für die Belange eines gängigen Betriebes ohne viel Mühe — zum Beispiel von der Sekretärin — erlernt, zugleich aber für beliebig komplexe Aufgaben programmiert werden kann. Diese Sowohl als auch Vorgaben empfanden die Borland Informatiker offenbar als so widersprüchlich, daß sie dem fertigen Produkt den Namen "Paradox" gaben.

Die neue — deutschsprachige — Version 3 0 dieser Datenbank, die alle Rekorde bricht, kommt als ein Quader von der Größe eines Kosmetikkoffers ins Haus. Der Schuber enthält sechs Bücher mit insgesamt mehr als 2000 Seiten und 16 Disketten. Damit ist der Käufer für alles gerüstet, er kann nun seinem PC das Warenlager, Ein- und Verkauf, die Finanzverwaltung, Gewinn und Verlust, Steuern, Löhne, Gehälter anvertrauen und braucht dazu nur eines der kleineren Bücher zu studieren. Er kann aber auch einen weltumspannenden Konzern mit allem, was dazu gehört, von Paradox verwalten lassen, wie es der Exxon Konzern, die New York Times oder American Airlines tun. Denn das Programm ist auch in Computernetzen einsetzbar.

Per Tastendruck zeichnet der Computer Graphiken etwa von Umsatzentwicklungen, wobei mehrere Formen der Darstellung gewählt werden können — und falls ein entsprechend großer Massenspeicher vorhanden ist, verarbeitet das Programm mehr Daten als jedes Konkurrenzprodukt: zwei Milliarden Datensätze, von denen jeder 4000 Zeichen lang sein darf — Dossiers von der halben Menschheit, die braucht nicht einmal das FBI. Statt der schwierigen Sprache SQL lernt der Paradox Anwender QBE, was für query by example steht und besagt, daß der Benutzer seine Frage nach einer Liste gewünschter Daten als ein Beispiel tippt, halt so, wie er die Auskunft gerne hätte; das ist einfach, niemand muß es erst lernen. Was aber zu lernen ist, steht in den Handbüchern. Software Anleitungen zu lesen ist fast immer eine Qual; sie sind zumeist unverständlich, prätentiös und langweilig. Die Paradox Bücher bieten zwar auch nicht gerade einen literarischen Genuß. Immerhin ist die Sprache nicht so abstoßend wie die branchenübliche, und weil der Text sehr sinnvoll gegliedert ist, läßt er sich gut verstehen. Leute mit Spaß am Computer können sich an PAL berauschen, an der für Profis entwickelten Programmiersprache, mit der Paradox beliebig erweitert, ja sogar umprogrammiert werden kann; das Lehrbuch wird mitgeliefert.