In den USA wächst der Zorn über die superreichen Aufkäufer aus dem Westen

Von Helmut Becker

Sony hat ein Stück der amerikanischen Seele aufgekauft“, empörte sich das amerikanische Nachrichten-Magazin Newsweek im Oktober über den spektakulären Erwerb der Hollywood-Filmgesellschaft Columbia Pictures für insgesamt 4,6 Milliarden Dollar. Das Top-Management des japanischen Elektro-Giganten war „perplex über die Stimmungsmache“, so Firmenchef Akio Morita, „als wir im November 1987 CBS Records für zwei Milliarden Dollar übernahmen, sprach niemand von einer Versündigung am Nationalstolz der USA.“ Japans führende Wirtschafts-Tageszeitung Nihon Keizai Shimbun schien sich über die gespielte Ahnungslosigkeit des mit Amerika bestens vertrauten Sony-Chefs zu wundern: „Für die schwerreiche japanische Großindustrie hat der Sony-Schock eindeutig die psychologische Hemmschwelle abgebaut, was man im Ausland kaufen kann, ohne sakrosankte Symbole und Tabus zu verletzen.“

Das Blatt konnte gar nicht wissen, wie recht es behalten sollte. Kaum hatte sich die erste Erregung über den Beutezug etwas gelegt, da traf die amerikanische Öffentlichkeit abermals der Schlag. Vergangene Woche sicherte sich Mitsubishi Estate, eine Mitgliedsfirma des führenden japanischen Wirtschaftsmultis und einstmals „die Waffenschmiede des japanischen Kaiserreichs“ (die japanische Nachrichtenagentur IJI), 51 Prozent an der New Yorker Rockefeller-Gruppe.

„Bisher haben die Japaner eigentlich nur um das Weiße Haus und die Freiheitsstatue einen Bogen gemacht“, spottete die Los Angeles Times aus Kalifornien, wo japanische Banken bereits ein Viertel des Finanzgeschäfts kontrollieren. Auf das lebende Inventar des Weißen Hauses trifft der Galgenhumor des Blatts schon nicht mehr zu: Ende Oktober brachte Nippons Medienkonzern Fuji-Sankei den Ex-Präsidenten Ronald Reagan samt Gemahlin für ein Honorar von etwa zwei Millionen Dollar nach Tokio, wo der ehemalige Hollywood-Mime auftragsgemäß den Sony-Coup mit dem Satz rechtfertigte: „Hollywood scheint Außenstehende zu brauchen, um Anstand und guten Geschmack walten zu lassen.“

Japans Firmen scheinen das Urteil des Ex-Präsidenten nur auf sich zu beziehen und als Ermunterung zu interpretieren, weltweit erste Adressen für das japanische Großkapital zu sichern. Denn kaum hatte Reagan seine peinliche Werbeshow für das Land des aufgehenden Yen beendet, kaufte der Immobilienkrösus Mori Building ein Bürohaus im texanischen Houston für 300 Millionen Dollar und der Pharma-Konzern Chugai übernahm für 110 Millionen Dollar Gen-Probe, eine Perle der amerikanischen Biotechnologie.

„Bei uns geht die Angst vor der gelben Gefahr von Tür zu Tür“, beobachtete das Wall Street Journal bereits im April dieses Jahres, „in unserer Ohnmacht über den Niedergang unserer relativen Macht schaffen wir uns Luft durch die Suche nach einem Prügelknaben.“