Am 19. Oktober beendeten die alliierten Gerichtshöfe die lange Reihe der Kriegsverbrecher-Prozesse in Japan mit der Verurteilung des ehemaligen japanischen Heeresangehörigen Osamu Satano zu fünf Jahren Gefängnis wegen einer von seinem Vorgesetzten befohlenen Beteiligung an der Hinrichtung eines gefangenen amerikanischen Fliegers. Insgesamt wurden 4200 Angeklagte für schuldig befunden, von denen 720 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.

Während in Tokio noch die letzten Verhandlungen gegen „Kriegsverbrecher“ geführt wurden, erschien in den Vereinigten Staaten ein Buch mit dem Titel „Der Fall des Generals Yamashita“, in welchem der erste von allen Kriegsverbrecher-Prozessen geschildert und einer vernichtenden Kritik unterzogen wird. Der Verfasser ist A. Frank Reel, Mitglied des Obersten Bundesgerichtes der Vereinigten Staaten, der seinerzeit als captain Reel dem General Yamashita als Offizialverteidiger zur Seite stand. Reel hatte nicht nur den Prozeß selbst in allen seinen Phasen, vom Beginn am 8. Oktober 1945 bis zur Urteilsverkündung am 7. Dezember 1945 miterlebt, ihm standen auch die Akten des Obersten Bundesgerichtes in Washington, das sich mit dem Appell der Verteidigung befaßt hatte, zur Verfügung. Zwei von den damaligen Mitgliedern des höchsten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, die Richter Rutledge und Murphey, haben sich der Bestätigung des Urteils „Tod durch den Strang“ nicht angeschlossen und die rechtlich einzig mögliche Ansicht vertreten, daß nur eine persönliche Schuld, die dem General Yamashita aber nicht nachgewiesen werden konnte, bestraft werden dürfe. In den Morgenstunden des 23. Februar 1946 wurde der ehemalige Oberbefehlshaber der XIV. japanischen Armee gehängt.

Sodann leitete General McArthur ein Kriegsverbrecher-Verfahren gegen 29 ehemalige japanische Ministerpräsidenten, Außenminister, Kriegsminister, Botschafter, Generale und Admirale ein. Der Prozeß begann am 4. Juni 1946. Nach nahezu zweieinhalbjähriger Dauer wurde das Urteil am 12. November 1948 gesprochen. Sieben Angeklagte, an ihrer Spitze Ministerpräsident Tojo, ein ehemaliger Außenminister (Hirota), ein ehemaliger Kriegsminister (Itagaki) und vier Generale – unter ihnen der Generalstabschef Yamashitas – wurden zum Tode durch den Strang, 16 – unter ihnen der 82jährige ehemalige Ministerpräsident Hiranuma – zu lebenslänglichem Zuchthaus, der ehemalige Außenminister Togo zu 20 Jahren und der frühere Botschafter Shigemitsu zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die von der Verteidigung gestellten Revisionsanträge bei dem Obersten Bundesgericht in Washington kamen nicht zur Verhandlung, da das Gericht am 20. Dezember 1948 mit sechs gegen eine Stimme erklärte, es sei nicht zuständig, in die Entscheidung des internationalen Gerichtshofes in Tokio einzugreifen. Zwei Tage später wurden die zum Tode Verurteilten durch den Strang hingerichtet.

Nach den im Prozeß verhängten schweren Strafen erregte es allgemeine Verwunderung, als General McArthur weitere zwei Tage später, am 24. Dezember also, die sofortige Haftentlassung und Amnestie für neun ehemalige Mitglieder des Kabinettes Tojo und zehn andere hohe japanische Persönlichkeiten verfügte, die unter dem Verdacht, Kriegsverbrechen begangen zu haben, sich seit langer Zeit im Sugamo-Gefängnis in Tokio als Untersuchungsgefangene befanden. Zu den Freigelassenen gehörte auch der ehemalige Innenminister und Chef der Polizei, Abe, der als der „japanische Himmler“ bekannt war. Welche Gedanken, Erwägungen und Bedenken den General McArthur zu dieser Maßnahme veranlaßt haben mögen, ist nicht bekannt. Sollte er sich die gleichen Gedanken gemacht haben, die A. Frank Reel in seinem zitierten Buch zu der Problematik der Kriegsverbrecher-Prozesse im allgemeinen ausspricht? E. K.