Über Jason Gaes zu schreiben, bringt mich in Schwierigkeiten. Einerseits möchte ich das Buch kommentarlos und leise in viele Hände geben und sagen: Lies selbst. Andererseits möchte ich laut die Trommel rühren für ein Buch, das eine bewundernswerte Haltung zeigt. Eine Haltung, die nicht nur krebskranken Kindern, nicht nur deren Eltern, sondern allen Lesern Mut macht.

Jason Gaes war sechs Jahre ah, als die Arzte bei ihm erste Tumore entdeckten. Viel Hoffnung konnten sie ihm und seinen Eltern nicht machen — die seltene Krebsart, die seine Tumore hervorbrachte, galt als nahezu unheilbar. Jason hat im Alter von acht Jahren, als er bereits wußte, daß er den Kampf gegen seine Krankheit gewonnen hatte, aufgeschrieben, wie die Zeit der Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien sein Leben veränderte. Er hat über seine Ängste und Hoffnungen, seine kindliche Arglosigkeit gegenüber medizinischer Allmacht geschrieben, über sein neugieriges Beobachten all dessen, was mit ihm geschah, und seine Auflehnung und Verzweiflung, auch die Zeiten der Mutlosigkeit "Ich wollte unbedingt ein Buch darüber schreiben, wie es ist, wenn man Krebs hat. Es gibt schon mehr Bücher über Kinder, die Krebs haben. Aber in allen Büchern, die ich gelesen habe, steht, daß die Kinder sterben müssen. Das stimmt aber gar nicht. Ich möchte dir sagen, daß gar nicht alle Kinder sterben Die Bilder zu seinem Text malten sein Zwillingsbruder Tim, der Jasons Krankheit besonders intensiv mit erlitten und erlebt hat, und der ältere Bruder Adam. Kindliche Sprache und Sehweise vermitteln in diesem Buch etwas, um das sich erwachsene Autoren, die sich dieses Themas annehmen, oft vergebens bemühen. Hier hat ein kleiner Mensch seinem Schicksal gegenüber große Haltung. In kindlichem Selbstverständnis kann Jason in einem Atemzug darüber sprechen, daß man sich genügend Malbücher und Spielzeug mit ins Krankenhaus nehmen soll, damit es dort nicht langweilig wird, und darüber, welche Hilfe der Glaube an Gott in einer solchen Lage sein kann. Er macht Mut zu weinen — um mit Tranen die Angst zu besiegen. Ein Buch, das ohne falsche Zwischentöne von der Kraft spricht, sich dem Leben und dem Tod zu stellen. Ein überzeugendes Beispiel dafür, daß Kinder nicht eines künstlich errichteten Schonraumes bedürfen. Von Jason Gaes können wir alle lernen. Nicht nur die Kinder, für die er sein Buch geschrieben hat. Aus dem Amerikanischen von Angelika Kutsch; Carlsen Verlag, Hamburg 1989; 32 S , 19 80 DM