Eigentlich schienen die Würfel schon gefallen: Der 57jährige Heinz-Werner Meyer, Vorsitzender der IG Bergbau und Energie, sollte Nachfolger von Ernst Breit werden. Der derzeitige Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) scheidet im Mai 1990 aus Altersgründen aus dem Amt. Doch nach und nach dämmerte es immer mehr Spitzenfunktionären in den Einzelgewerkschaften, daß Meyer wohl nicht die Persönlichkeit ist, die in der Öffentlichkeit als deutliches Signal für eine moderne, zukunftsorientierte Arbeitnehmerpolitik verstanden werden würde.

Seit dem Sommer wird nun nach weiteren Kandidaten gesucht: Eine Frau sollte es möglichst sein, natürlich Sozialdemokratin und obendrein Gewerkschafterin. Denn auf den "Stallgeruch" will man – allen Zukunftsdiskussionen zum Trotz – denn doch nicht verzichten. In der Gerüchteküche wird jetzt jemand gehandelt, auf den das alles passen würde: Anke Fuchs, 52 Jahre alt, Generalsekretärin der SPD, in den siebziger Jahren Vorstandsmitglied der IG Metall, dann Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Anke Fuchs will sich zu dem Gerücht nicht äußern, dementiert hat sie es freilich auch nicht. Über die Nachfolge Ernst Breits soll bis Ende 1989 entschieden werden.

Nicht zur Ruhe kommt der Düsseldorfer Mischkonzern Feldmühle Nobel AG. Knapp ein halbes Jahr, nachdem die Veba von Friedrich Christian Flick und einer mit ihm liierten Aufkäufergruppe 46 Prozent des "Feno"-Kapitals übernommen hatte, erweist es sich für den Großaktionär als strategischer Fehler, den verbliebenen Kleinaktionären nicht sofort ein Übernahmeangebot unterbreitet zu haben. Inzwischen steht nämlich fest, daß sich eine Gegenformation institutioneller Anleger unter der Führung der US-Investmentfirma Merrill Lynch gebildet hat, die bereits zwischen 20 und 25 Prozent der Feno-Aktien an sich bringen konnte. Für die Veba ist die dadurch entstandene Lage besonders mißlich, weil ihr Paket durch die bei Feldmühle Nobel geltende Stimmrechtsbegrenzung in der Hauptversammlung nur mit fünf Prozent zu Buche schlägt. Die von Merril Lynch vertretene Gruppe besteht dagegen aus unabhängigen Besitzern kleinerer Pakete bis zu fünf Prozent, die somit zusammen schwerer als der doppelt so große Besitz der Veba wiegen. Vor einem Kauf der jetzt offerierten Pakete schreckt die Veba aus gutem Grund zurück. Der Kurs des Papiers liegt mit 540 Mark rund hundert Mark höher als zum Zeitpunkt ihres Einstiegs. Verliert die Veba die Lust an ihrem neuen Engagement, dürfte sie ihre Feno-Anteile nur dann loswerden, wenn sie eine Aufhebung der Stimmrechtsbegrenzung erreicht. Dazu brauchte sie die Zustimmung der neuen Aktionärsgruppe.

Das nennt man wohl eine Blitzkarriere: Seit dem 1. September 1988 ist Rolf Schmidt-Holtz, ehedem Chefredakteur des WDR-Fernsehens, im Verlagshaus Gruner + Jahr. Und schon vom 1. Januar des kommenden Jahres an wird er in den Vorstand des Hamburger Großverlages einziehen. Neben Johannes Gross, Herausgeber von Capital und Impulse ist Schmidt-Holtz dann der zweite Journalist im Vorstand.

Schmidt-Holtz, den Vorstandschef Gerd Schulte-Hillen als neuen Herausgeber des stern ins Haus geholt hatte, bekleidet künftig einen Posten, für den früher einmal ein anderer vorgesehen war: Axel Ganz, der mit großem Erfolg für Gruner + Jahr Zeitschriften in Frankreich, England und Spanien an den Markt gebracht hat. Doch Ganz sollte lieber an der Front bleiben. Mit solchen Meriten kann der nur 41jährige Schmidt-Holtz noch nicht aufwarten – wobei sein Job wohl auch der schwierigere ist. Denn die Auflage des stern sinkt unaufhaltsam – ebenso wie die der Konkurrenzblätter von Bunte bis Quick. Der Rückgang beruhe auf Bereinigungen im Ausland, während dem rterw-Herausgeber eine Stabilisierung der Auflage im Inland zugerechnet wird.

Daß dem Ex-TV-Journalisten mit dem Engagement von Herbert Riehl-Heyse, zuvor Chefreporter der Süddeutschen Zeitung, für die Chefredaktion des stern nicht gerade der große Coup gelang, wurde wohl als Pech abgehakt. Schon nach vier Monaten trennte man sich wieder. Michael Jürgs bleibt vorerst alleiniger Chefredakteur. Ob er es nicht sowieso bleibt, mochte Verlagssprecher Christoph Keese noch nicht beantworten: "Das ist noch zu früh."

Bei ihrem Protest gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen zeigen Hamburger Forscher eine ganz besondere Erfindungsgabe. Weil ihr Arbeitgeber, der niederländische Philips-Konzern, die deutsche Forschung in Aachen konzentrieren will, sollen etwa 280 Mitarbeiter umziehen.