Von Wolfgang Hoffmann

Bauen", sagt der Stuttgarter Architekt Günter Behnisch, "ist ein dynamischer, offener Prozeß." Seine Gegner verändern diesen Satz kurzerhand und machen daraus: "Bauen ist ein dynamischer Prozeß, nach oben offen."

Zugegeben, diese Formel paßt besser in das Bild der ungewöhnlichen Kostensteigerungen, die bei dem Um- und Neubau des alten Bonner Bundeshauses unter der Regie Behnischs entstanden sind. Mitte der achtziger Jahre waren dafür 88 Millionen Mark einkalkuliert, inzwischen wird mit 256 Millionen gerechnet. Und "nach oben" ist sicher noch was ofen.

Für die Kostenexplosion wird Günter Behnisch nun öffentlich geschmäht, obwohl der ehemalige Chefarchitekt von Olympia München, Schöpfer des weltweit gerühmten Olympia-Daches, Träger von gut vier Dutzend nationalen und internationalen Auszeichnungen, doch sonst immer nur dankbare Kunden hatte.

Aber: Mag der Architekt auch die Ästhetik im kleinen Finger haben, das Geld der Steuerzahler scheint er mit vollen Händen ausgegeben zu haben. Oder sollten es doch andere gewesen sein, die an der Kostenexplosion schuld haben?

Für die Leybold-AG hat Behnisch in Alzenau bei Hanau ein neues Produktionsgebäude für High-tech ohne jede Beanstandung errichtet. Planung und Ausführung zog er in knapp zwei Jahren durch. Und das Kostenlimit – fünfzig Millionen Mark – hat er kaum überschritten.

Die Firma bestätigt das. Man ist bis auf marginale Mängel mit dem Bau und seinem Architekten zufrieden. Wenn Kosten und Zeit eingehalten wurden, liegt das aber vor allem daran, daß dem Architekten ein Controller im Nacken saß, der täglich auf Kosten und Termine achtete. Er mußte auch keine Rücksicht auf Eitelkeiten eines Künstlers nehmen, er durfte es überhaupt nicht. Schon mit Rücksicht auf die Aktionäre sind Kostenüberschreitungen verpönt.