Papua-Neuguinea, eines der exotischsten Länder der Erde, will am internationalen Tourismus teilhaben. Die Besucherströme sollen kontrolliert und gelenkt werden, um die paradiesische Natur nicht zur zerstören.

Nicht immer kann Andrew M.D. Yauieb in Bonn seinen eigentlichen Amtspflichten als Botschafter Papua-Neuguineas nachkommen. Im „Nebenjob“ muß sich der Chefdiplomat nämlich auch – in zahlreichen Gesprächen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften – um die touristische Promotion seines Landes kümmern; der pazifische Inselstaat, dessen Regierung nach Yauiebs Eingeständnis „in der Vergangenheit der Tourismusindustrie nicht allzuviel Aufmerksamkeit gewidmet hat“, leistet sich bislang noch keine offizielle Fremdenverkehrs-Repräsentanz in Deutschland.

Dies soll sich in Kürze ändern. Die im Laufe des nächsten halben Jahres geplante Eröffnung eines Fremdenverkehrsbüros in Frankfurt ist Teil einer neuen Tourismus-Offensive der Regierung in Port Moresby. „Wir möchten den Tourismus ausbauen und suchen ausländische Partner zur Entwicklung der touristischen Infrastruktur“, betont Botschafter Yauieb.

Wirtschaftliche Not ist dafür, anders als in vielen Entwicklungsländern, nicht die entscheidende Triebfeder. Papua-Neuguinea ist dank seiner reichen Bodenschätze ein relativ wohlhabendes Land. Mehr noch als Kaffee und Kakao werden Kupfer und Gold exportiert. Dennoch ist auch „das letzte Paradies“ (so ein Werbeslogan) nicht von sozialen Problemen – wie Landflucht und Jugendkriminalität in den Städten – verschont geblieben. Vor allem fehlen Arbeitsplätze. Die, so erhofft man sich, sollen in der beschäftigungsintensiven Tourismus- und Hotelbranche geschaffen werden.

Als Wirtschaftsfaktor spielte der Tourismus in Papua-Neuguinea bislang nur eine Statistenrolle. Für die jährlich rund 80 000 Touristen, davon mehr als die Hälfte Australier, stehen im ganzen Land mit seinen 600 großen und kleinen Inseln kaum 2000 Hotel- und Pensionsbetten bereit. Doch dieses spärliche Angebot soll beträchtlich ausgebaut werden, vor allem in der Haupstadt Port Moresby. Ein 50-Millionen-Dollar-Hotelkomplex, für dessen Realisierung ein amerikanischer Konzern als Partner gefunden wurde, soll den Anfang machen. Angestrebt wird, in Zukunft vor allem mehr europäischen Südostasien-Reisenden, die schon bis Bangkok oder Singapur gekommen sind, Anschlußaufenthalte in Papua-Neuguinea schmackhaft zu machen.

Dafür bietet der Inselstaat – mit seinen mehr als 700 Stammesvölkern, seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt ein Traumziel für Völkerkundler, Bergwanderer, Taucher, Vogelkundler und Botaniker – in jeder Beziehung ein Kontrastprogramm. „Was viele Touristen nicht wissen und würdigen, ist, daß wir ein vom Christentum geprägtes Land sind, in dem die christlichen Sitten und Gebräuche streng befolgt werden“, unterstreicht Botschafter Yauieb. „Deshalb gibt es bei uns vieles nicht, was die Touristen vielleicht aus Südostasien kennen – etwa einen ‚Rotlichtbezirk’“.

Der Tourismus soll so gelenkt und kontrolliert werden, daß er den Charakter Papua-Neuguineas und seiner 3,4 Millionen Menschen nicht zerstört. Es werde offene und es werde Tabuzonen geben, genau wie in seinem eigenen Dorf, erklärt Yauieb. „Wenn Touristen mein Dorf besuchen wollen, müssen erst die Dorfältesten gefragt werden. Sie entscheiden, wer was sehen und tun darf. Bestimmte Teile des Dorfes bleiben für die Fremden tabu, wie es auch bestimmte Häuser gibt, über deren Schwelle keine Frau ihren Fuß setzen darf.“

Dagegen, daß Papua-Neuguinea in den nächsten Jahren von einem zügellosen Massentourismus überschwemmt werden wird, spricht auch das hohe Preisniveau. „Papua-Neuguinea ist kein Land, das man mit zehn Dollar am Tag bereisen kann“, betont Botschafter Yauieb. Und diplomatisch beantwortet er auch die Frage, ob dem Touristen alle rund 600 Inseln Papua-Neuguineas offenstehen: „Wenn sie hinkommen ...“ W. W.