Karljosef Schattner war jahrelang so unbekannt wie die kleine Bischofsstadt, in der er — zuerst kaum bemerkt, dann um so eindrucksvoller — Furore machte. Und so ist diese Monographie wie selbstverständlich in Überlegungen zur Provinzialität eingefaßt. Sie enden in einer freundlichen Umschreibung: Provinzialität? Nein, nicht Abschließung, sondern: "Kontinuität, Individualität, Hartnäckigkeit, Hingabe". Damit sind zugleich die Tugenden genannt, denen der Architekt Schattner als Diözesanbaumeister über ein Vierteljahrhundert lang seinen eigenartigen, wunderbaren Erfolg zu danken hat.

Wolfgang Pehnt erzählt davon in seinem Buch "Karljosef Schattner — Ein Architekt aus Eichstätt", ruhig, kontinuierlich, ohne Sprünge; er nennt, was Schattner beeinflußt hat; berichtet, wie er als Architekt seines geistlichen Herrn begonnen und die Herausforderung begriffen hat, daß er von Anfang an der Devise folgte, die sein Werk kennzeichnet und die bei Pehnt so lautet: "Er sucht zu erhalten, was zu erhalten ist, und setzt das Eigene in deutlicher Authentizität dagegen. Er fühlt sich nicht als Illusionskünstler, sondern als Anatom, der die originalen Strukturen herauspräpariert. Für ihn bedeutet Geschichtlichkeit eines Bauwerks die Erhaltung und Freilegung des überlieferten Bestandes und dessen Fortsetzung in der Sprache der Gegenwart", präziser: "in seiner Sprache".

Genau das ist es, was diese, das Alte mit Selbstbewußtsein würdigende Architektur kennzeichnet, einer klaren, ausdrucksvollen, aber auch rigorosen Moderne. Sobald der Leser damit bekanntgemacht worden ist — konzentriert, mehr im ganzen als im einzelnen, freundlich —, wird ihm das gebaute Werk vor Augen geführt, äußerst knapp ohne Lob und Tadel beschrieben, gezeigt in präzisen Zeichnungen und mit durchweg sehr guten Photographien. Kein Buch gibt umfassender Auskunft über den bischöflichen Baumeister und seine so ungemein der Gegenwart eröffnete Barockstadt wie dieses. MS B Wolfgang Pehnt:

Karljosef Schattner Ein Architekt aus Eichstätt; Verlag Gerd Hatje, Stuttgart Bad Cannstatt 1989; 156 S, 297 S, Abb , 58 - DM