Wenn Kronjuwelen den Besitzer wechseln, ist mehr als Geld im Spiel. Erst Hollywood, dann traditionsreiche Gebäude in Manhattan von den Japanern gekauft, das war für die meisten Amerikaner wie ein Stich ins Herz oder – so Newsweek – als ob "ein Stück der Seele Amerikas" verhökert worden sei.

Die Verkäufe der Filmfirma Columbia Pictures an den Sony Konzern und des New Yorker Rockefeller Centers an Mitsubishi innerhalb von wenigen Wochen hat ein längst vorhandenes Unbehagen zu Zorn und Angst gesteigert. Daß sich just zur selben Zeit Expräsident Ronald Reagan vom Fujisankei-Medienkonzern für zwei Millionen Dollar als PR-Magnat anheuern ließ, wirkte wie eine geschmacklose Illustration der Macht des neuen Reichtums der Japaner über ein Amerika, das sich im Abstieg wähnt. Mehr als die Hälfte der Amerikaner glaubt inzwischen, die wirtschaftliche Macht Japans stelle eine größere Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar als die Militärmaschinerie der Sowjetunion.

Die Medien sprechen gern von "Invasion", vom "Eindringen" der Japaner; das verstärkt das Gefühl der Bedrohung. Dabei wird gleichzeitig die schlichte Wahrheit verdrängt, daß Coca Cola die Columbia Pictures nur allzu freudig gegen 3,4 Milliarden Dollar abgab und auch die Rockefeller Group schon lange nach einem potenten Käufer der Mehrheitsanteile für das renommierte Art-deco-Ensemble im Herzen New Yorks Ausschau hielt.

Das Gerede von der japanischen Bedrohung vernebelt die hausgemachten Ursachen des hohen amerikanischen Kapitalbedarfs ebenso wie die Tatsache, daß die kräftigen amerikanischen Auslandsinvestitionen vor allem während der fünfziger Jahre noch heute hohe Dividenden bringen.

Japanische Manager in den Vereinigten Staaten stellen auch immer häufiger die Frage, warum die amerikanische Öffentlichkeit nur ihr Land an den Pranger stelle und nicht auch Großbritannien und Holland, das erst jetzt als zweitgrößter ausländischer Anleger von den Japanern verdrängt wurde. Martin Tolchin, der zusammen mit seiner Frau Susan das Buch "Buying into America" geschrieben hat, hält dagegen, die Amerikaner hätten eben das feste Gefühl, Engländer, Australier oder Deutsche würden nach den gleichen Spielregeln agieren wie sie selbst.

David Boaz, Vizepräsident des Cato-Instituts in Washington, interpretiert den wachsenden Unmut über Japan auch als eine Folge uralter rassistischer Instinkte der Amerikaner. So durften im vorigen Jahrhundert Asiaten in Kalifornien vor Gericht nicht gegen Weiße aussagen; Präsident Roosevelt steckte nach Pearl Harbor 110 000 Amerikaner japanischer Abstammung in Barackenlager, weil "eine Schlange eben eine Schlange bleibt", wie damals sogar die Los Angeles Times befand. Und der republikanische Senator Helms machte kürzlich geltend, ehe Washington den überlebenden Lagerinsassen Entschädigung gewähre, müsse Tokio Reparationen für den Überfall auf Pearl Harbor zahlen.

Boaz hält die Betonung der kulturhistorischen Trennungsmerkmale zwischen Amerikanern und Japanern genauso für verfehlt wie die im Kongreß wieder stark popularisierte Formel Buy American! – Kauft amerikanische Waren!