Es ist wirklich kein Zufall deswegen, weil dieser wohl originelle Architekt in seiner Zeit selber so etwas wie ein Postmoderner gewesen zu sein scheint, aber gar nicht war: ein in Italien trainierter, überaus versierter Spätklassizist, eigenwillig neu, unverwechselbar. Sein schönstes und witzigstes Bauwerk ist sein eigenes (als Museum auch zu besichtigendes) Haus in London; dasjenige aber, das ihn nicht weniger als 45 Jahre beschäftigt hat, sein größtes, wenn nicht gar das größte, mit dem je ein Architekt zu tun hatte, das war die Bank von England.

Heute sind von diesem legendären, von vier zum Teil über hundert Meter langen Straßen eingefaßten, für die Weltmacht Großbritannien geradezu symbolischen Baukomplex fast nur noch die Soaneschen Umfassungsmauern erhalten geblieben, als Sockel gewissermaßen für einen von 1925 an (im alten Stil) errichteten mehrgeschossigen Neubau, mit dem der unaufhörlich wachsende Platzbedarf gedeckt werden mußte. Jedoch, auch Soane hatte ja im Grunde nichts als eben dies getan. Er hat das 1694 gegründete, von 1732 an erst von George Sampson, dann von Robert Taylor entworfene Geldinstitut nach und nach erweitert, umgebaut, dabei fast vollständig erneuert, und zwar in seinem im Lauf der Jahre selbstverständlich Wandlungen unterworfenen Stil, von 1788 bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts. Das ist ein ebenso unvergleichliches wie atemberaubendes architektonisches Drama, das man nun nachlesen und auf vielen alten Stichen, Zeichnungen, Plänen und Photos begukken kann: "Die Bank von England und ihr Architekt John Soane" von Eva Maria Schumann Bacia. Es ist eine gelassen zupackende, genaue, auch in Details vordringende, genießerisch illustrierte Darstellung. Der Baumeister Soane war das auch wert — und das halb versunkene Riesenwerk dieser Bank auch: alle klassizistischen Ausdrucksgewohnheiten der Zeit waren daran abzulesen. Es war nicht nur fast ein Dreivierteljahrhundert lang einzig als Bautypus; es ist mit über achthundert Planzeichnungen auch das am reichsten archivierte Bauwerk aller Zeiten. Da Soane dem russischen Zaren Alexander erlaubt hatte, einmal darin zu blättern, bekam er dafür etwas geschenkt — keinen Orden, sondern einen Diamantring. Manfred Sack Eva Maria Schumann Bacia:

Die Bank von England und ihr Architekt John Soane Artemis Verlag für Architektur, München 1989; 204 S, Abb, 148 - DM