Zumindest nach Meinung der Notenbanken muß die Konjunktur in den Industrieländern außerordentlich robust sein. Denn anders ist die derzeitige Geldpolitik, insbesondere die der Deutschen Bundesbank, kaum zu verstehen. Nach dem Börsenkrach vom Oktober 1987 pumpten die Zentralbanken riesige Mengen Geld ins Bankensystem aus Furcht vor einer Rezession. Die Folge: Die Zinsen gingen kräftig nach unten.

Nach dem diesjährigen Oktoberspektakel an den Börsen ist es genau umgekehrt. Die Zinsen, insbesondere die von den Währungshütern am besten kontrollierten kurzfristigen Sätze, gehen kräftig nach oben – allen voran die bundesrepublikanischen. Die traditionell deutliche Spanne zwischen amerikanischen und deutschen Zinsen ist in den vergangenen Wochen bemerkenswert geschrumpft. Kapitalmarktpapiere der Vereinigten Staaten bringen derzeit kaum mehr Rendite als vergleichbare Titel hierzulande. Allein in diesem Jahr sind die Geldmarktzinsen über fünfzig Prozent gestiegen. Gegen eine aufkommende Inflationsmentalität ist das sicher eine sehr wirksame Medizin, ob sie auf Dauer aber auch der deutschen Konjunktur bekommt, ist doch sehr die Frage. Unangenehme Nebenwirkungen für Wachstum und Beschäftigung sind bei dieser Therapie jedenfalls nicht auszuschließen. bm