Eine lebendige Skizzierung von Berlin (West) ist Michael Sontheimer mit „Berlin en vogue“ (Illustrationen von Peter Maitz; Mosaik Verlag, München 1989; 16,80 DM) gelungen. Das spritzige Layout und die schillernd kolorierten Photos klassischer Sehenswürdigkeiten geben dem Band zusätzlich den Hauch des Ausgefallenen. Ein Buch im Westentaschenformat – nur zehn kurzweilige Kapitel dünn, hintereinanderweg geschrieben und so auch zu lesen.

Die ideale Reiselektüre für die Bahn oder fürs Flugzeug. Sie soll (und wird) Lust auf die Stadt machen: als „ein unsystematischer Streifzug kreuz und quer durch das Häusermeer – lokalpatriotisch und einseitig, mit Mut zu Lücken“.

Ein Appetitanreger, das Menü muß sich jeder dann selbst zusammenstellen. Sontheimer, im Bezirk Schöneberg zu Hause, gibt Tips, nennt Szenen und klärt über Klischees und Kneipen auf: „... Punks im Sexton, Schriftsteller in der Rosalinde, Autonome im Ex..., Kleinganoven in der Nullösung, Medienarbeiter im Satt 1...“ Eine launige Tour durch eine Stadt, die für den Autor „sentimental, skurril und surreal“ und mit den „flüchtigen Kriterien des Zeitgeists“ nicht zu messen ist.

Dorothea Hilgenberg