ZDF, alle zwei Wochen montags bis freitags: „Mittagsmagazine“

Vorbei die Zeit, da unter Tags ein Testbild uns der Sorge enthob, womöglich im TV was zu versäumen. Nur noch in tiefer Nacht so gegen drei kriegt man diese freundlichen Zeugen für einen Stillstand der Programm-Mühle auf die Scheibe. Dann weiß man: In den Sendern ist jetzt niemand mehr da, und eine unbelauschte, eine unbelehrte Welt darf schlafen gehen.

Aber nur, um am nächsten Morgen fürs SAT-1-Frühstücksfernsehen fit zu sein und zum Mittagessen die neuen Magazine in ARD und ZDF als audiovisuelle Beilage zu ordern. Ab zirka 13 Uhr gibt’s in den Öffentlich-Rechtlichen 45 Minuten lang Nachrichten und Allerlei, im wöchentlichen Wechsel von ARD und ZDF gereicht. Der Programm-Umbau, den diese Neuerung erzwingt, soll, hört man, die morgendliche Wiederholung der politischen Magazine ausschließen. Spielen die neuen Mittagssendungen – als mögliches Werbeumfeld für den häuslichen Viel-Seher und als Frühstücks-Show für Nachtschwärmer und Schichtarbeiter konzipiert – diesen Verlust wieder ein?

Kaum. Was sich da, locker oder gar nicht verbunden, zu einem Mosaik aus News und Feuilleton, Humor und Wetter, Sport und Sozialem fügt, belegt die These der Schwarzseher: daß der Werbespot als dramaturgischer Super-Knüller alles ansteckt, was an Programm in seine Nähe gerät oder auch nur geraten könnte. Die news clips werben für die TV-Nachrichten, die Börsenberichte für Conti-Reifen, das Wetter wirbt für seine charmante Moderatorin und das Interview mit Cordula Trantow fürs ZDF. Man hat nach solchen 45 Magazin-Minuten weder Ahnung vom sozialen Beben in der DDR, noch von den Ursache! der Börsen-Baisse, ja, man weiß nicht mal mehr, wie das Wetter werden wird, weil die fürs Abbuchen solcher Information zuständigen Hirnzellen allein Sabine Noethens süßes Lächeln gespeichert haben. Was sich durchsetzt, ist die Werbestrategie.

Die allerdings beherrscht nicht mal das ZDF so richtig. Da sehen wir eine Bild-Schlagzeile: „Alles Penner“ und erfahren’, daß Peter Alexander dieses Verdikt bezüglich des ZDF gefällt habe. Herr Penk, der Unterhaltungschef, ist sehr betroffen, aber nun doch beruhigt, denn Frau Alexander hat dementiert. In der Werbe-Psychologie gibt es den Satz von der „Schwäche der Verneinung“: Niemals solle man mit der Widerlegung einer Invektive werben. Denn im schadenfrohen Gedächtnissieb des Publikums bleibt die dicke Beleidigung liegen, und die schlanke Bestreitung fällt durch – egal, wie’s in Wahrheit ist.

In Wahrheit ist das ZDF natürlich glockenwach: Es bringt uns mit seinem Mittagsmagazin das Fernsehen von morgen: beliebt, beliebig, werbend-umworben und so aufgeräumt wie die Absage der sympathischen Moderatorin Susanne Conrad: „Und das war’s auch schon.“

Das einzige, was nicht recht hineinpaßt in die Sendung, ist der tiefernst-irritierte Blick des fülligen Moderators Ekkehardt Gahntz. Es ist, als suche dieses besorgte Auge einen Halt: einen Zusammenhang, einen Hintergrund oder einen Sinn. Als reflektierte es den Kummer der um Opas Fernsehen und dessen Stärken nun endgültig Betrogenen, die Sehnsucht nach den am Vormittag wiederholten politischen Magazinen und nach dem Testbild am Tage. Aber wer weiß, vielleicht ist dieser Blick nur die heimliche Werbung für ein Herrenparfüm mit Namen Nostalgie.

Barbara Sichtermann