Im Kampf gegen die Inflation versagt die Regierung

Von Carl D. Goerdeler

Über die spiegelglatten Flure huschen die letzten Bittsteller; irgendwo klappert noch eine Schreibmaschine. Maria Celina Cardoso schiebt lustlos ihren Kaffeewagen durch das Labyrinth des Innenministeriums: „Bis zum Juni mußte ich jeden Tag mindestens sechs Liter Kaffee kochen – aber jetzt reichen schon zwei oder drei Liter“, klagt sie. Die Beamten haben nichts mehr zu tun, sind im Urlaub oder kommen einfach nicht mehr zur Arbeit.

Brasilia wirkt mehr denn je wie eine Geisterstadt. Die Amtszeit der Regierung geht zu Ende. Noch fünf Monate verbleiben Präsident José Sarney. Längst wirbeln die, die ihn beerben wollen, auf Wahltournee durchs Land.

Das politische Leben in Brasilia ist auf dem Nullpunkt angelangt. Bürgermeister, Abgeordnete und Senatoren sagen Besuche in der Hauptstadt ab. Die Kassen sind leer. Sarney hat alles ausgegeben; vom Amazonas bis zu den Wasserfällen von Foz do Iguaçu verrostet der Spannbeton halbfertiger Staudämme, Brücken und Kraftwerke. Nur im Transportministerium hofft man noch auf einen letzten Geldsegen aus der jüngst eingeführten Straßenbenutzungsgebühr.

No-future-Stimmung herrscht auch bei den engsten Beratern des Präsidenten. Sarney hat abgewirtschaftet. Drei Wirtschaftsschocks, zwei Währungsreformen und der Verschleiß von 64 Ministern in wenig mehr als vier Jahren haben nicht vermocht, Brasiliens Dauerkrise zu überwinden. Trotz heiliger Schwüre auf Sparsamkeit und Sauberkeit hat der Präsident laufend die Staatsausgaben vermehrt und sich und seine Regierung ins moralische Zwielicht gebracht. Unter Sarney stiegen die Personaletats um siebzig Prozent, und die Kette der Korruptionsskandale riß nicht ab. Ohne Gefühl für die Stimmung im Lande reiste der Präsident mit über hundert Begleitern in einer gecharterten DC 10 zu den Revolutionsfeierlichkeiten nach Paris und verursachte so Kosten in Millionenhöhe – natürlich Dollar. Wenn er sich aus seinem von militärischen Schranzen belagerten Regierungsbunker, dem Palacio Planalto, hervortraut, dann nur, um abgeschirmt vom Volk Schienenstrecken einzuweihen oder Museumsbesuch zu absolvieren.

Wachsende Geldmenge