Ein Autokennzeichen ist auch ein Kulturträger, die Visitenkarte einer Nation ... Weiße Nummerntafeln in Österreich waren ein Akt des Anschlusses.

Friedensreich Hundertwasser zum Plan, in Österreich neue Autokennzeichen einzuführen (gefunden in der neuen Ausgabe der Düsseldorfer Zeitschrift „Zeitmitschrift“)

Zermürbend

Bekannt wurde er auch bei uns durch seine Platte „Change is Pain“: Seit 1987 bemühen sich deutsche Gewerkschafter, Mzwakhe Mbuli, den schwarzen Dichter aus Soweto, zu Auftritten in die Bundesrepublik zu bekommen – bereits zweimal vergeblich. Nun steht der dritte Termin bevor: Vom 16. bis zum 18. November veranstaltet des Junge Forum, die Kulturorganisation der DGB-Jugend, ein „Tohuwabohu-Weltmusik“-Festival in Recklinghausen. Wieder ist Mzwakhe Mbuli eingeladen, und wieder verweigern ihm die südafrikanischen Behörden den Paß. Ein gutes Dutzend Mal war der gerade Dreißigjährige bereits verhaftet, 1988 saß er ein halbes Jahr in Einzelhaft, ohne angeklagt zu sein. Anfang August wurde ein Brandanschlag auf das Haus der Familie Mbuli verübt; nur durch Zufall wurde niemand verletzt. Kaum weniger zermürbend ist ein Prozeß, der seit Marz ständig vertagt wird, ohne daß es bisher zu einer Verhandlung gekommen wäre. Einladungen zu Konzerten hat Mzwakhe Mbuli inzwischen aus mehreren Ländern. Und um der Regierung Südafrikas in aller Deutlichkeit zu sagen: „Wir wünschen einen Paß für diesen Herrn“, veranstaltete die Botschaft der Bundesrepublik am 7. Oktober – eine einmalige Aktion – für Mzwakhe Mbuli ein Solidaritätskonzert in Johannesburg. Doch der Apartheidsstaat blieb hart. Bis jetzt.

Vladimir Ashkenazy in der UdSSR

Glasnost geht in die nächste Etappe. An diesem Donnerstag und Freitag wird im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums ein Pianist und Dirigent erstmals seit 26 Jahren auftreten, der dort früher sieben Jahre lang studierte und 1962 eines der wertvollsten Musik-Diplome der Welt in Empfang nahm – den ersten Preis im Tschaikowskij-Wettbewerb; der aber schon ein Jahr später, 1963, seiner Heimat (1937 in Gorki geboren) den Rücken kehrte; der dann aus seinem Exil zunächst in London, dann in Island seine Dissidenten-Kritik an der sowjetischen Kunst-Diktatur immer wieder und in aller Deutlichkeit formulierte: Vladimir Ashkenazy. Das historische Ereignis seiner Rückkehr gewinnt indes durch einige Pointen noch zusätzliche Bedeutung: Die Einladung zum Konzert mit „seinem“ Londoner Royal Philharmonie Orchestra (und die Ausrichtung der Abende) erfolgte nicht durch die bis dato monopolisierte Staatliche Konzertagentur „Goskonzert“, sondern durch die Sowjetische Kultur-Stiftung; deren Vorsitzende heißt – Raissa Gorbatschowa. Das erste Konzert wird live übertragen – auch nach Großbritannien (und Finnland). Der Erlös der Konzerte schließlich fließt einem Sonderfonds zu – für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Armenien. Daß Ashkenazy seinen Landsleuten nicht nur ihren Tschaikowskij, Muzorskij und Rachmaninow bieten wird, sondern auch (neben Beethoven und Ravel) etwas „Jüngeres“ aus England – Oliver Knussen und William Walton –, erscheint fast schon als selbstverständliche, aber gleichwohl gewichtige Annonce des „neuen europäischen Hauses“.

Fluß ohne Ufer

In seiner Dankrede für den Büchner-Preis (abgedruckt in der ZEIT vom 27. Oktober) kündigte Botho Strauß an, das Preisgeld in Höhe von 60 000 Mark dafür zur Verfügung stellen zu wollen, neue Leser an Hans Henny Jahnns Romantrilogie „Fluß ohne Ufer“ heranzuführen. Das soll in Form einer Preisaufgabe geschehen. Sie lautet: „Lesen Sie die 2000 Seiten der Romantrilogie und schildern Sie in einem kurzen Essay (Mindestumfang: fünf Schreibmaschinenseiten) Ihre wichtigsten Eindrücke.“ Die sechzig besten Einsendungen werden mit je tausend Mark prämiert. Die ZEIT behält sich vor, die interessanteste davon zu veröffentlichen. Die Jury besteht aus Ulrich Bitz, Volker Hage, Michael Krüger, Uwe Schweikert und Botho Strauß. Einsendeschluß ist der 31. Dezember 1990. Alle Einsendungen sind zu richten an das Sekretariat der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Schumannstr. 8, 6100 Darmstadt.