Wie könnte die Bundesrepublik das Geld zugunsten der DDR-Wirtschaft aufbringen? In der Geschichte Westdeutschlands gibt es bisher zwei legendäre Beispiele dafür, wie außergewöhnliche Belastungen originell finanziert werden können:

  • Im November 1948, nach Beginn der Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion, wurde das Notopfer Berlin beschlossen – eine zweckgebundene Sondersteuer mit Sätzen bis zu vier Prozent auf Einkommen und Unternehmensgewinne. Dazu kam die berühmte 2-Pfennig-Marke, die zusätzlich zum Porto auf alle Briefe geklebt werden mußte. Aus der vorgesehenen Geltungsdauer von drei Monaten wurden acht Jahre, Körperschaften mußten sogar über neun Jahre lang bezahlen. Das Notopfer bescherte dem Berliner Senat Einnahmen bis zu einer Milliarde Mark im Jahr.
  • Um weitaus größere Beträge ging es beim Lastenausgleich, der im August 1949 beschlossen wurde – und dreißig Jahre lang Gültigkeit hatte. Ziel war es, die materiellen Schäden von Krieg, Vertreibung und Währungsreform zu mildern. In diesem Sinne wurden eine Hypotheken- und Kreditgewinnabgabe sowie eine Vermögensabgabe erhoben. Bis Ende 1978 erhielten die Ausgleichsempfänger aus dem Lastenausgleichsfonds und dem Bundeshaushalt rund 110 Milliarden Mark. smi