Von Katharina Semmelweiß

Eine Woche Urlaub zur Körperertüchtigung – muß ja sein, weiß man ja. Also, same procedure as every year. Wer gewohnt ist, im Beruf zu entscheiden, der plant auch das Training nach Terminkalender. Irgendwas wird sich schon finden. Athleti\ng im Salzkammergut? Auch gut, ist ja sowieso alles dasselbe. Hauptsache, es geht schnell, der Erfolg ist sichtbar, und der dynamisch gestählte body erzeugt zu Hause wieder den nötigen Respekt.

Dies sind in etwa die besten Voraussetzungen, um mit Athleting den totalen Reinfall zu erleben. Es sei denn, der streßgeplagte Stadtmensch benutzt die im Job so vielgepriesene Flexibilität auch einmal zum Umdenken außerhalb des Berufs. Und so tanze ich, ehe ich mich versehe, nicht mehr nach der eigenen Pfeife, sondern nach der des Magisters Gerhard Fröhlich.

Der findige Österreicher aus Wien hat die zahllosen Fitneß-Trends um eine neue Variante bereichert: das Athleting. Dahinter steckt allerdings entschieden mehr Tiefgang, als man sich in einem deutschen Bodybuilding-Studio überhaupt vorstellen kann. Wenn ich also nur eine hirnlose Roßkur absolvieren will, um danach wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen, kann ich eigentlich gleich wieder nach Hause fahren.

Aber so leicht gebe ich nicht auf. Immerhin bietet Bad Aussee, Steiermark, Österreich, die entsprechende Umgebung, um sich auf dieses etwas andere Antistreßtraining einzulassen. Den Rest besorgt der Herr Magister mit seinen unbestreitbaren Guru-Qualitäten. „Sein“ Athleting kümmert sich um mehr als Bizeps und Jogging-Kilometer. Das beginnt bei der Ernährung, an der jeder Öko-Freak seine helle Freude hätte, und hört bei überschwelligem Kräftigungstraining auf, das selbst Spitzensportlern nützen würde. Und wer seine körperlichen Grenzen geistig testet, lehrt uns der Magister, sei dem Streß auch nicht mehr schutzlos ausgeliefert.

Am ersten Abend erhalten wir den Ernährungsfahrplan – kein Zucker, keine Wurst, kaum Fleisch ... Nun wissen wir, wo die Glocken hängen. Also kein Zucker mehr, lächerlich, eine unserer leichtesten Übungen.

Doch wie so oft – Hochmut kommt vor dem Fall. Diese Offenbarung bringt der nächste Morgen. Nur mit dem verordneten Mini-Frühstück im Magen geht es zum Jogging-Parcours, Ort der Handlung: ein malerischer Bergsee im Nieselregen. Noch vor dem ersten-Schritt wird jedem klar, daß er zum laufen zu kurze Beine hat, gleich, ob 1,50 Meter oder 1,90 Meter lichte Höhe. Es gilt, die Oberschenkelmuskeln zu dehnen und warm zu werden für höhere Aufgaben, die da warten.