Von Peter P. Waller

Es stand vor knapp einem Jahr in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit: „Das Entwicklungsproblem Sierra Leones ist derzeit nicht der Mangel an finanzieller Hilfe. Seine reichen Bodenschätze, insbesondere Diamanten, könnten dem Land genügend Devisen für seine Entwicklungsinvestitionen erwirtschaften. Freilich erhält die Zentralbank in Freetown nur einen Teil der entsprechenden Deviseneinnahmen. Dies ist eines der Entwicklungsprobleme Sierra Leones, das Graham Greene in seinem Roman ‚Das Herz aller Dinge‘ der Welt nahegebracht hat.“

Was das Bonner Entwicklungsministerium so verschämt mit einem Hinweis auf den Schriftsteller Graham Greene umschreibt, ist die schlichte Tatsache, daß in Sierra Leone nach wie vor mehr als die Hälfte der Diamantenproduktion aus dem Land geschmuggelt wird und sich dabei hohe bis höchste Staatsbedienstete massiv bereichern. Gleichzeitig wird die Wirtschaftslage der großen Mehrheit der Bevölkerung immer desolater.

Mehrere Beistandskredite und Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, verbunden mit Auflagen zur Strukturanpassung, haben den Verfall der Wirtschaft nicht aufhalten können, schließlich haben beide Finanzinstitutionen die Beziehungen zu diesem Land abgebrochen. Dieser extreme Fall zeigt, daß Wirtschaftsreformen in vielen Ländern Afrikas ohne politische Reformen nicht Erfolg haben können.

Entwicklungshilfe muß politischer werden – so lauten die Forderungen heute –; ein „politischer“ Dialog mit der Dritten Welt erscheint notwendig. Sind wir nun an der Schwelle zu einer neuen Phase der politischen Strukturanpassung in der Entwicklungspolitik

Die Gründe für eine Kurskorrektur liegen auf der Hand. In fast allen Entwicklungsprojekten zeigte sich, daß ohne günstige Rahmenbedingungen – wie etwa funktionierende Infrastruktur oder angemessene Preispolitik – die Ziele nicht erreicht werden können. Ausgelöst durch die Krise zu Beginn der achtziger Jahre, mußten immer mehr Entwicklungsländer mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank Strukturanpassungsprogramme vereinbaren mit dem Ziel einer tiefgreifenden Änderung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft: Abwertung der Währung, Abbau der Haushaltsdefizite, Erhöhung der Agrarpreise, Einschränkung der Staatstätigkeit.

Die Erfolge dieser Phase der ökonomischen Strukturanpassung sind nach Untersuchungen der Weltbank besonders in Afrika bisher sehr bescheiden. Der wichtigste Grund hierfür ist sicher in den sich weiter verschlechternden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu suchen. Bei sich ständig verschlechternden Preisverhältnissen auf den Weltmärkten (terms of trade) für die Entwicklungsländer, massiver Abnahme des Transfers finanzieller Ressourcen und gleichzeitig steigender Verschuldung sowie zunehmendem Protektionismus der Industrieländer können auch gut konzipierte Anpassungsprogramme nicht zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum führen. Insofern ist jetzt von den Industrieländern eine politische Entscheidung gefordert; massive Schuldenstreichung und kräftige Erhöhung des Ressourcentransfers in die Entwicklungsländer.