Ohne tägliche Insulinspritzen könnten mehr als eine halbe Million Bundesbürger nicht überleben. Erst durch die Entdeckung des Insulins besserten sich die Lebensaussichten der Diabetiker.

Normalerweise produzieren die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse das Insulin. Doch wenn zu einem ererbten genetischen Defekt Virusinfektionen oder Entzündungen hinzutreten, kann diese lebenswichtige Funktion ausfallen.

Die einzige Rettung liegt dann im Insulin, das aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen oder Rindern gewonnen wird. Aber es gibt Unverträglichkeiten und Allergien gegen tierisches Insulin. Das Präparat muß dann gewechselt werden. Die Auswahl ist nicht groß. Nur Insulin vom Rind oder Schwein wird bei uns produziert. Das besser verträgliche „Human“-Insulin, gentechnisch hergestellt, müssen wir aus den Vereinigten Staaten einführen. Mit raffinierten Methoden ist es Wissenschaftlern gelungen, dieses Humaninsulin auf gentechnischem Wege herzustellen. Die Produktinformation Insulin wird auf die Arbeitssklaven der Gentechniker, die natürlich vorkommenden Coli-Bakterien, übertragen. Diese produzieren dann in großen Mengen Insulin als Kopie des transferierten Gens. Zur Herstellung werden abgeschwächte Coli-Bakterien benutzt, die genauso ungefährliche Mikroorganismen sind wie jene, die wir in Bierhefe oder Joghurt finden. Wie beim Bierbrauen kommen die mit der neuen Insulininformation bestückten Coli-Bakterien in eine Fermentationsanlage. Dort vermehren sie sich und produzieren ein sogenanntes Fusionsprotein, das Vorstufen von Humaninsulin enthält.

Für die Zuckerkranken, die Insulin brauchen, liegen die Vorteile auf der Hand: Humaninsulin führt im Gegensatz zu Insulinen vom Rind oder Schwein nicht zur Insulin-Antikörperbildung. Hans Harald Bräutigam