Der Verband der Elektrizitätswerke versucht eine mißliebige Studie abzuwerten

Alfred Voß, Professor an der Universität Stuttgart, lobte einen anderen Wissenschaftler über die Maßen. Der „Hohmeyer-Studie“, so seine Aussage, komme „das Verdienst zu, die wichtige Frage der externen Kosten im Energiebereich erstmals vergleichend untersucht zu haben“ In der Tat hat der Nationalokonom Olav Hohmeyer mit der Untersuchung „Soziale Kosten des Energieverbrauchs“ Neuland betreten und denen Wasser auf die Mühlen gegeben, die umweltschädliche Produktionsprozesse mit einer Ökosteuer verteuern wollen. Auf diese Weise sollen die Produzenten auch mit den Kosten belastet werden, die sie tatsächlich verursachen.

Das Lob hielt freilich nicht vor, denn sogleich schrankte Voß ein, die „Hohmeyer-Studie“ treffe „aufgrund nicht sachgerechter Annahmen, verfehlter methodischer Ansätze und unzureichender Daten die Hohe der externen Kosten nicht einmal der Größenordnung nach“. Diese Aussage wiederum fand den Beifall von Joachim Grawe, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), dessen Verband bei Voß eine Art Gegengutachten zur „Hohmeyer-Studie“ bestellt hatte

Das Weltbild bleibt in Ordnung

In diesem Gutachten mit dem Titel „Externe Kosten der Stromerzeugung“ wird nicht geleugnet, daß die Produktion von Elektrizität Kosten für die Allgemeinheit verursacht, aber die werden „um Größenordnungen“ niedriger angesetzt als bei Hohmeyer. Und am Ende ist dann das Weltbild der Elektnzitatswirtschaft wieder in Ordnung Kernkraft ist billiger als Kohle, Kohle billiger als Wind, und die Photovoltaik als eine mögliche Variante der Sonnenenergie landet auf dem letzten Platz Aber konzediert wird immerhin, daß die Stromerzeuger externe Kosten in Hohe von etwa einem Pfennig je Kilowattstunde (kWh) verursachen, die nicht in ihrer Rechnung erscheinen, aber die Volkswirtschaft mit jährlich rund drei Milliarden Mark belasten

Hohmeyer schätzt bei Atomstrom allein die Umweltschaden auf 1,2 bis 12 Pfennig je Kilowattstunde, Voß begnügt sich, gestutzt auf eine amerikanische Studie, mit 0,008 bis 0,07 Pfennig. Der Unterschied ist schnell erklart Hohmeyer halt eine Reaktorpanne im Tschernobyl-Maßstab auch in der Bundesrepublik für möglich, Voß schließt das offenbar aus. Bei derart unterschiedlichen Annahmen müssen die Ergebnisse natürlich „um Größenordnungen“ auseinanderklaffen

Voß bedauert, daß ihm „eine eigenständige Analyse im Rahmen dieser Studie“ nicht möglich war „Wir mußten das innerhalb von drei Monaten durchfuhren“, sagt er und dokumentiert damit, daß es der Auftraggeber eilig hatte. Denn die „Hohmeyer-Studie“ schlug Wellen, ihr mußte eilig etwas entgegengesetzt werden Da macht sich ein Gutachten immer gut, besonders wenn Institute von Renommee dahinterstehen.