Für zwei Stunden war das weiße Windhoek schwarz: Tausende aus der Schwarzenstadt Katutura feierten in der Kaiserstraße singend und tanzend den Wahlsieg der Unabhängigkeitsbewegung Swapo. Das Ergebnis der Wahl in Namibia ist vorab ein Erfolg für die Vereinten Nationen: Sie ermöglichten einen „freien und fairen“ Urnengang und überwachten die Auszählung. Die Resultate zieht keiner der Hauptakteure in Zweifel.

Die Swapo hat ihr hochgestecktes Ziel der Zweidrittel-Mehrheit deutlich verfehlt. Fast ein Drittel der Wähler sprach sich für die Demokratische Turnhalle-Allianz (DTA) aus. Die übrigen Parteien folgen weit abgeschlagen. Eine Zweidrittel-Mehrheit brauchte aber die Swapo, um den Inhalt der neuen Verfassung allein zu bestimmen. Doch offensichtlich haben die bekanntgewordenen Folterungen der Swapo an ihren Häftlingen Vertrauen und Stimmen gekostet. Swapo-Chef Sam Nujoma, bisher kaum als Mann des Kompromisses und der Versöhnung aufgefallen, muß sich nun nach einem Partner umsehen.

Fänden sich die Swapo und ihr Hauptopponent, die von gemäßigten Weißen unterstützte DTA, zu einer großen Koalition zusammen, wäre dies ein gutes Omen für die „Verfassungstaufe“. Denn auch ohne Querelen der großen Parteien in der nun gewählten verfassungsgebenden Versammlung werden die ersten Schritte von Afrikas jüngstem Nationalstaat unsicher sein: Es fehlt an wirtschaftlicher Unabhängigkeit, an Führungskräften und an tragfähigen politischen Strukturen.

Namibia, zwischen den Wüsten Namib und Kalahari gelegen, heißt auch „das Land, das Gott im Zorn erschaffen hat“. Namib bedeutet rauh. Das frühere Südwestafrika hat seine Unabhängigkeit im Zorn errungen. Sein Weg zu Wohlstand und Stabilität wird sich als rauh erweisen. F. G.