Bilder psychischer Enge beherrschen Deborah Eisenbergs Kurzgeschichten über die seelischen Nöte desorientierter Großstädterinnen. Schon die Wahrnehmung der Umwelt wird in diesen – mit Metaphern dicht gespickten – Texten zum Stolperstein für Protagonistinnen, deren Lebenskrisen im selbstzufriedenen Milieu akademischer und kultureller Schickeria ausgezeichnet gedeihen.

In „Reisen mit leichtem Gepäck“ – ihrem ersten Story-Band – hat die 44 Jahre alte Amerikanerin klare konstruktive Linien vorgegeben: Dialogisch angelegte Erzählungen sezieren die Nachwehen gescheiterter Partnerschaften aus der Perspektive verunsicherter Ich-Erzählerinnen, meist mit sicherem Gespür für die zynischen Untertöne zeitgenössischer Kommunikationsformen. Doch weder soziale noch feministische Befreiungseuphorie können im Leidensambiente der Eisenbergschen Prosa Fuß fassen, zu tief vergraben sich ihre hochsensiblen weiblichen Akteure in handlungsfernen Selbstbefragungen.

„Tage“, die auffälligste Erzählung dieses Bandes, erinnert an Sylvia Plaths erzählerische Hilferufe aus dem selbstmörderischen Sog unaufhaltsamer Welt- und Selbstentfremdung: tastende Monologe, verängstigte Anfragen an eine nicht erreichbare und zugleich bedrohlich nahe Welt, Bilder inneren Elends, vielfach reflektiert.

Deborah Eisenbergs visionäre Augenblicke zelebrieren das Unzulängliche, jene flüchtigen Impressionen dürftiger Alltäglichkeiten, die nur eine Gewißheit kennen: das Bewußtsein eigener Bedeutungslosigkeit, das sich – in kleinwüchsigem Größenwahn – allein aufgrund seiner Partikularität zum Unikat aufwertet. Manisch klammern sich Eisenbergs Heldinnen an ihren Status als desintegrierte Randfiguren und versuchen aus ihrer Vereinzelung einen letzten existentiellen Sinn zu destillieren. Ein hochprozentiges Lebenselixier laßt sich dabei wohl kaum gewinnen – aber wozu auch, bei vermeintlich leichtem Gepäck?

Bernd Klahn

  • Deborah Eisenberg:

Reisen mit leichtem Gepäck

Stories; deutsch von Nikolaus Hansen; Rowohlt Verlag, Reinbek 1989; 288 S., 36,– DM