Die politischen Unruhen in Sri Lanka werden immer unübersichtlicher. Trotzdem werben in- und ausländische Reiseveranstalter in ihren Hochglanzprospekten mit Sonne, Meer und Exotik – meist ohne Hinweis auf die brisante Situation.

Sonnenreiche Strände, exotische Landschaft und faszinierende Kulturdenkmäler: Diese touristischen Attraktionen machten Sri Lanka, das frühere Ceylon, zu einem der ersten und beliebtesten Fernreiseziele.

Doch Bürgerkrieg und der Kampf um die politische Macht lassen die Insel im Indischen Ozean im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Chaos versinken. Allein in der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober wurden nach offiziellen Angaben über tausend Menschen ermordet.

Lange konzentrierten sich die Auseinandersetzungen auf Regionen, die abseits der Feriengebiete lagen. In letzter Zeit werden aber auch Touristen immer häufiger zu Zeugen der grausamen Realität

Im Felsenfort Sigiriya, das zum Muß jeder Bildungsreise durch Sri Lanka gehört, wurde jüngst ein Haufen verstümmelter Leichen entdeckt. In der alten Königsstadt Kandy richteten Sympathisanten der Widerstandsbewegung JVP ein Blutbad an. Hundertfünfzig Menschen starben.

In den Flüssen treiben Tote. Selbst an den Stränden im Südwesten der Insel, zwischen Colombo und Galle, werden im "kristallklaren Wasser" der in Reisekatalogen beschriebenen "palmenumsäumten Sandstrände" dann und wann Leichen angespült. Noch vor Sonnenaufgang werden sie eiligst weggeschafft. Denn an dieser Küste liegt das Gros der Hotelanlagen, in denen die Sri-Lanka-Touristen ihren Badeurlaub verbringen.

"Ausschreitungen gibt es mittlerweile überall", bestätigt Frank Pereira, der Leiter des Fremdenverkehrsbüros Sri Lankas in der Bundesrepublik. Die Eskalationen hätten "gegen Mitte des Jahres nachgelassen", die Unruhen aber dennoch zu einem weiteren Rückgang des ohnehin schwachen Touristenstroms geführt. Auf Devisen aber sei das arme asiatische Land dringend angewiesen.