Weh euch, ihr Ketzer und Ungläubigen, die ihr vom Kino noch immer Aufklärung erwartet und Aufregung und Sinnlichkeit. Und Schande über euch, ihr Nörgler und Kritiker, die ihr nicht glauben, sondern schauen wollt. Wahrlich, eher geht ein Filmstreifen durch ein Nadelöhr, als daß einer von euch der Herrlichkeit dieses Films teilhaftig würde.

Denn seht, es erging ein Ruf an Liliana Cavani, die mit ihren Filmen gesündigt hatte wider die Zucht und den Anstand. Und das Weib ging in sich und bereute ihre Verfehlungen. Und zur Buße drehte sie einen Film voller Frömmigkeit: Es war ein reicher Mann, dem fehlte es an nichts, doch in seinem Herzen wühlten die Fragen nach dem Sinn. Und so beschloß der Mann, den Reichtümern abzuschwören und ein Leben unter den Bettlern und Aussätzigen zu führen. Er tat Gutes und sprach darüber, und bald wuchs die Zahl seiner Jünger. Und seht, selbst der Heilige Vater war voller Wohlwollen, und der Bischof schenkte den Büßern seine Gunst, und alles ward gut. Ihr aber, die ihr mit diesem Gleichnis nichts anzufangen wißt, die ihr nach einem Geheimnis sucht und nach dem Sinn der Bilder fragt, die ihr die Spannung vermißt und an Langeweile leidet, ihr Zweifler und Kleinmütigen: öffnet eure Herzen und begreift diesen Film als Buße und Exerzitium!

Denn seht, wie der heilige Franziskas sich am Boden wälzt und leidet und sich quält und seinen Herrn anfleht: „Sprich zu mir!“ So müßt auch ihr euch quälen und peinigen, damit der Film zu euch spreche. Und wenn er nicht zu euch spricht, dann müßt ihr die Schuld bei euch selber suchen: Denn selig sind die, die nicht im Bilde sind. Claudius Seidl