US-Bundesstaaten und amerikanische Städte werben um Besucher aus Deutschland. In Frankfurt eröffnen sie zunehmend eigene Tourismusbüros.

Die USA, stärkste Wirtschaftsmacht der Welt, wird vom afrikanischen Zwergstaat Uganda geschlagen, wenn man die Ausgaben für weltweite Tourismuswerbung und -promotion in Bezug zur Einwohnerzahl der Länder setzt. Danach gibt die Regierung der USA gerade fünf Cent pro Bürger dafür aus. Die Fremdenverkehrsämter der USA (USTTA) verfügten in diesem Jahr weltweit nur über ein Budget von 13,5 Millionen Dollar, das 85 festangestellte Mitarbeiter verwalteten.

Karl A. Fahr, Direktor des USTTA-Büros in Frankfurt, zu dieser Misere: „Die auf dem hill in Washington müssen noch lernen, welche enorm wichtige Rolle der Tourismus für die amerikanische Volkswirtschaft spielt.“ Da die Einsicht jedoch auf sich warten läßt, sind einzelne der fünfzig Bundesstaaten, einige Städte und Counties (vergleichbar unseren Landkreisen) selbst aktiv geworden. In dichter Aufeinanderfolge eröffnen sie in Frankfurt eigene Büros, um Kontakt zur deutschen Reiseindustrie aufzunehmen und Interessenten direkt mit Prospektmaterial und wichtigen Auskünften zu versorgen – durchaus in Zusammenarbeit mit dem USTTA.

Als vorläufig letzter Bundesstaat hat jetzt Hawaii eine Agentur verpflichtet, die bisher bereits die Interessen von South Carolina vertritt. Seit kurzem verfügt auch Alaska über eine eigene Repräsentanz, und die Port of Seattle Authority ist bemüht, mehr Touristen für den US-Bundesstaat Washington zu gewinnen. Eine eigene Vertretung haben die Virgin Islands und seit neuestem die Städte San Francisco und San Diego. Anaheim in Kalifornien eröffnete im Oktober ein „Trade & Investment“ Büro. Las Vegas, so Karl A. Fahr, werde sich möglicherweise ebenfalls in der Bundesrepublik etablieren, desgleichen die in einer Kooperation zusammengeschlossenen US-Bundesstaaten „Great Lakes“. Das kalifornische Lee County und das Pinellas County (Florida) sind bereits in Frankfurt präsent.

Übertroffen wird die Zahl der touristischen US-Vertretungen in Deutschland europaweit nur noch von Großbritannien. Dort haben sich die Vertretungen von US-Bundesstaaten und -Städten bereits zu Dutzenden in der Londoner City niedergelassen. Aber auch in Brüssel tummeln sich US-Touristiker; dort werben Utah und Wyoming für den Wilden Westen.

Nach Ansicht von USTTA-Chef Fahr ist der jetzige Trend erst der Anfang einer touristischen Großinvasion von seiten der US-amerikanischen Tourismuswirtschaft. Denn die Reiseverkehrsbilanz 1989 sei erstmals so positiv ausgefallen, daß der Profit in Milliardenhöhe nicht ohne Wirkung auf Senat, Kongreß und Privatindustrie bleiben werde. Das könne die Einsicht befördern, daß Tourismus eine ähnlich gewinnträchtige Industrie wie beispielsweise die Automobilherstellung sei. Die Bundesrepublik als einer der stärksten touristischen Märkte der Welt wäre da für die USA von besonderem Interesse.

Die Adressen der einzelnen Tourismus-Vertretungen können beim Fremdenverkehrsamt der USA (USTTA), Bethmannstraße 56, 6000 Frankfurt 1, Tel. 069/29 52 11, erfragt werden. RS