Noch vor wenigen Wochen hatte Alan Greenspan, der Präsident der amerikanischen Notenbank, die Forderung nach einer Zinssenkung entschieden zurückgewiesen. Inzwischen hat bei dem höchsten US-Währungshüter ein Meinungsumschwung stattgefunden: In der vergangenen Woche lockerte die Federal Reserve Bank die geldpolitischen Zügel. Sie senkte den Zinssatz für Tagesgeld von 8,75 auf 8,41 Prozent.

Die Entscheidung hat viele amerikanische Finanzexperten überrascht, da die Zahl der Erwerbstätigen im Oktober gegenüber September um 233 000 gestiegen ist. Ein solcher Zuwachs wurde bisher stets als Zeichen einer weiter expandierenden Wirtschaft interpretiert. Die neuen Arbeitsplätze sind jedoch überwiegend im niedrig bezahlten Dienstleistungssektor angesiedelt. Im Industriebereich hingegen gab es in den beiden vergangenen Monaten massive Entlassungen. Besorgt registrieren Wirtschaftsfachleute, daß auch die Gewinne der großen amerikanischen Unternehmen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal teilweise drastisch zurückgegangen sind.

Angesichts dieser Situation möchte die Notenbank sich wohl nicht dem Vorwurf aussetzen, die US-Wirtschaft durch eine allzu rigide Geldpolitik der Gefahr einer Rezession auszusetzen. Vor allem, da die Inflationsrate sich bei 4,4 Prozent stabilisiert hat. mhf