Von Andreas Janßen

Es ist einfach nichts zu machen. „Nein, nein, das kann ich selber“, versuche ich den lästigen Kofferträger loszuwerden. Soeben sind wir in Südamerika gelandet, und man weiß ja nie. So ein Koffer ist schnell im Gewühl der Menschen verschwunden. Doch der junge Mann scheint mein Spanisch nicht zu verstehen. Er greift sich entschlossen das Gepäck. Ich bin machtlos.

Für deutsche Touristen führt der Weg zur Ferieninsel Margarita über den internationalen Flughafen Maiquetia, der zwanzig Kilometer von Venezuelas Hauptstadt Caracas entfernt an der Küste liegt. Man wechselt vom internationalen zum nationalen Airport – 200 Meter. Der Kofferträger verlangt drei US-Dollar für seinen unerbetenen Dienst. Erst später erfahre ich, daß ich viel zuviel gezahlt habe. Die Summe entspricht einem gesamten Tagesverdienst.

Für das unbequeme Umsteigen entschädigt der unglaublich niedrige Flugpreis – im Erdölland Venezuela ist Fliegen überall sehr preiswert. Umgerechnet 22 Mark kostet das Ticket. Vierzig Minuten braucht die Boeing 727 von Maiquetia zur Karibikinsel Margarita, die von den Venezolanern liebevoll La Perla del Caribe genannt wird.

Welche Insel kann sich schon einen so schönen Mädchennamens rühmen? Entstanden ist die Bezeichnung angeblich aus dem spanischen Wort für Austernbank: garita del mar. Früher ließen die Spanier die Indios nach den Perlen tauchen. Heute, wo die Austern nicht mehr so viel hergeben, werden sie nur noch als Delikatesse geschätzt, als überaus preiswerte übrigens. Der Eimer Austern kostet umgerechnet drei Mark. Auf Margarita werden diese Meeresfrüchte an allen Stränden von fliegenden Händlern angeboten.

Angezogen von den reichen Perlenschätzen der Insel, landete Kolumbus 1498 bei seiner dritten Südamerikareise auf Margarita. Auch der deutsche Forscher Alexander von Humboldt ließ sich später von den Vorzügen der Insel überzeugen: Für ihn waren die hier ansässigen Einwohner die zweitschönsten Menschen des Kontinents.

300 Jahre war Margarita von den Spaniern besetzt. Danach geriet die Insel schnell in Vergessenheit, sie diente nur noch als Zentrum des Fischfangs in Venezuela.