Dem Sozialismus geht’s besser, seit es ihn nicht mehr gibt. Lebend schleppte er sich dahin. Tot hat er die Chance der Wiedergeburt.

Seine Mörder heißen Thatcher und Gorbatschow. Sie erschlug den Labour-Sozialismus, der den einst mächtigsten, den englischen Kapitalismus erschlagen wollte; jetzt hat es ihn selber erwischt. Er erschlug den Weltkommunismus, der den Weltkapitalismus erschlagen wollte; jetzt hat es ihn selber erwischt; ein Kommunist erschlug den Kommunismus.

Nur der Kapitalismus ist munterer denn je.

Auch eine Erbin des verstorbenen Sozialismus hat sich schon eingestellt: Auf die Sozialdemokratie folgt die Sozialdemokratie. Auf grün-roten Samtpfoten schlüpft eine lauwarme „neue Sozialdemokratie“ in Deutschland an die Regierungsmacht. Sie könnte auch im geborstenen Ostblock Erbin des verstorbenen Kommunismus werden.

Seltsam gleichzeitig vollzog sich das Absterben der alten Sozialdemokratie im Westen, des alten Kommunismus im Osten. Ein Loch hat sich aufgetan in der Weltgeschichte, mehrere Schuhnummern zu groß für eine „neue Sozialdemokratie“. Sie ist nur Lückenbüßerin, mit ein paar altsozialistischen und auch nicht mehr ganz neuen grünen Flecken auf dem Thatcherkostümchen.

Aber ja, Entstaatlichung, Privatisierung, Wettbewerb quaquaqua sind mit Sozialismus verträglich. Sie sind seiner Grundidee – dem Leben in freier Gemeinschaft – sogar näher als die staatliche Zentralverwaltungswirtschaft, die der gemeinsame Kern war der alten Sozialdemokratie wie des alten Realkommunismus.

Aber neuer Sozialismus ist das keiner.