Von Horst Röper

Nachdem die Gesellschaft Funk und Fernsehen Hessen (ffh) Ende Oktober die Lizenz für ein Horfunkprogramm in Hessen erhalten hatte, ging alles blitzschnell In der Rekordzeit von nur zwei Wochen waren die Privaten auf Sendung Kein Wunder Das Funkhaus in einem Frankfurter Vorort war längst gebaut, die technischen Einrichtungen installiert und das Personal da Daß die Sendeerlaubnis noch nicht vorlag, hatte die Investitionsfreude der ffh-Gesellschafter nicht gebremst Denn der Lizenzpoker war entschieden, bevor er überhaupt begonnen hatte Schließlich hatten 35 Zeitungsverlage die Rundfunkgesellschaft gegründet, und Verleger haben bisher in fast allen Bundeslandern, in denen privater Rundfunk zugelassen ist, im Wettlauf um Sendelizenzen gesiegt Nur im Saarland, dem einzigen Bundesland mit nur einer Zeitung, setzten sich andere Bewerber durch

Die naßforsche Art der hessischen Verleger mißfiel selbst der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk, die für Lizenzierung und Kontrolle zustandig ist Direktor Wolfgang Thaenert machte seinem Unmut Luft und schimpfte über das Vorpreschen der Zeitungsmacher – an der Entscheidung änderte das allerdings nichts Um in Hessen nicht völlig leer auszugehen, beteiligten sich im letzten Moment einige der konkurrierenden Bewerber an der ffh, die es bis zur entscheidenden Sitzung schließlich auf 52 Gesellschafter brachte Nur die Bertelsmann-Tochter Ufa und die Vereinigten Fachverlage stritten bis zur letzten Runde, die eigentlich erst die erste war, mit den Verlegern, deren Punktsieg dann aber bei einer Enthaltung einstimmig ausfiel

Der Erfolg der Verleger kam nicht von ungefähr Schließlich hatten sie schon ganz wesentlich die Regeln des Wettbewerbs mitbestimmt In Hessen wie in den anderen Bundesländern nahmen sie massiv auf die jeweiligen Gesetze Einfluß und verschafften sich so erhebliche Startvorteile Die Landesparlamente machten willfährig mit, denn welcher Politiker oder welche Partei traut sich schon, Position gegen die einflußreichen Meinungsmacher zu beziehen

In Kiel zum Beispiel sind beim einzigen Privatsender Radio Schleswig-Holstein die Zeitungsverleger des Landes unter sich In Niedersachsen, bei der Funk und Fernsehen Nordwestdeutschland, kamen Kollegen von Zeitschnftenverlagen als Juniorpartner hinzu Auch in Hamburg sind die ortsansässigen Großverlage und die Zeitungsverlage beim reichweitenstarksten Privatsender Radio Hamburg ungestört In Rheinland-Pfalz wurden als Veranstalter des landesweiten Programms Radio 4 ursprünglich vier Gesellschaften lizenziert Im nächsten Jahr steht nun eine Änderung ins Haus Die bisher praktizierte Verteilung der Sendezeit auf mehrere Veranstalter hat sich als unzweckmäßig erwiesen Ab Juni nächsten Jahres wird es nur noch einen Veranstalter geben die Rheinland-Pfälzische Rundfunkbetriebs Gesellschaft Bedeutendste Gesellschafter beim künftigen Monopolisten sind die Zeitungsverlage der auflagenstarksten Blatter Rheinpfalz, Rhein-Zeitung und Allgemeine Zeitung aus Mainz Nur in Berlin sind die Verleger inzwischen aus dem Rennen Selbst gemeinsam konnten sich Holtzbrinck, Springer, Burda und die Ufa nicht gegen das früher gestartete Radio von Ulrich Schamoni durchsetzen und verabschiedeten sich aus dem Äther

In Bayern beherrschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger dagegen nicht nur die landesweite Welle Antenne Bayern Auch im bislang nur dort und in Baden-Württemberg praktizierten Lokalfunk sind die Zeitungsverleger die bedeutendste Anbietergruppe Anfang Juni hatten sich 294 von gut 300 Zeitungsverlagen in der Bundesrepublik bereits im privaten Rundfunk engagiert oder planten dieses Größtes Interesse genießt dabei der lokale Hörfunk Für diese neue Medienbranche interessieren sich 174 Verlage 82 sind bereits im Lokalfunk aktiv Damit ist eine alte Forderung der Branche erfüllt In einer Denkschrift des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger über „Lokalrundfunk und Presse“ von 1971 heißt es „Im Bereich des Lokalfunks wird an eine Anpassung an die Form der natürlich gewachsenen Organisation der Presse gedacht werden müssen “

Diese „natürlich gewachsene Organisation“ ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen ruinösen Verdrangungswettbewerbs in vielen Gebieten, dem Hunderte von Zeitungstiteln zum Opfer fielen Was blieb, ist ein hoher Grad von Pressekonzentration In mehr als der Hälfte der Kreise und kreisfreien Städte wird nur noch eine Tageszeitung mit lokaler Information angeboten