Von Igor Schkljarewski

Die Wolke von Tschernobyl ist auf Weißrußland niedergegangen. Radioaktiver Staub liegt auf Wiesen, Wäldern und Hausdächern, bedeckt die Gestade des Pripjat und Sosch, überzieht Gärten und Feldwege, lauert in Seen und Sümpfen.

Über 500 Dörfer in der Umgebung von Gomel und Mogiljow sind mit Cäsium 137, Strontium und Plutonium verseucht. Drei Jahre nach der Katastrophe gibt es nun eine Karte, in der die betroffenen Gebiete als „abzusiedelnde“, unbewohnbare Regionen und Sperrzonen gekennzeichnet sind.

Schwarze Punkte und gestrichelte Linien liegen über den Bezirken Slawgorod, Tscherikow, Krasnopolje, Kostjukowitschi und Klimowitschi nahe der Kreisstadt Mogiljow – insgesamt 250 Dörfer sind betroffen. Dazwischen ein nicht gestricheltes Feld, das Brjansker Land. Aber auch Gott konnte das Unglück nicht vollends von ihm abwenden – die verseuchten Gebiete sind allerdings nur innerhalb Weißrußlands eingezeichnet.

Erst Monate nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl tauchte eine Expertenkommission auf. Sie war fassungslos, hier noch Kinder vorzufinden.

Danach kam eine Kommission nach der anderen angereist. Die einen meinten: „Hier kann man nicht leben, die Leute müssen umgesiedelt werden.“ Die anderen meinten: „Man kann wohl leben, aber nur, wenn man die Früchte von Wald und Garten meidet“ und dies auf dem Land, noch dazu bei unserer Versorgungslage! Sie verboten auch den Genuß von Milch.

Dazu sei angemerkt, daß die weißrussische Landbevölkerung so gut wie keinen Tee trinkt. Sie bevorzugt nach wie vor das traditionelle Fruchtmark und Birkensaft, das Hausgetränk ist die frische Milch von der eigenen Kuh. Die Lohnempfänger in den verseuchten Zonen bekommen für Nahrungsmittel dreißig Rubel mehr. Sterbegeld ...