Von Theo Stemmler

Tote schlafen fest. Bis sie leiblich auferstehen oder biographisch auferweckt werden. Halten wir uns an die Literatur: Von Autoren soll die Rede sein – und ihren Biographen. Ein Toter kann sich gegen die posthume Beschreibung seines Lebens kaum wehren – es sei denn, daß seine Witwe auf dem literarischen Nachlaß gluckt und seinen Nachruhm brütet. Doch die Lebenden? Einige genießen die biographische Entkleidung als exhibitionistische Ersatzhandlung. Andere hoffen, durch Bioskopie endlich sich selbst kennenzulernen. Und manche entblößen sich prophylaktisch selber.

Aber zuweilen wehren sich die Autoren dagegen, von Biographen gejagt und anschließend ausgeweidet zu werden – aus unterschiedlichen Gründen. Einige haben eine Leiche im Keller, die sie niemandem zeigen möchten. Andere kokettieren augenliderklappernd mit ihrer Intimsphäre. Wenige kämpfen ernsthaft um ihr Inkognito: Zu ihnen gehört J. D. Salinger.

Der Leser erinnert sich an ihn als den Autor des Romans „Der Fänger im Roggen“ (1951). Sonst nichts? Einige Kurzgeschichten. Ein wichtiger und bis heute erfolgreicher Roman also – der Rest ist Schweigen.

Und schweigen kann Salinger. Seit vielen Jahren gibt er keine Interviews mehr, und seine letzte Kurzgeschichte erschien 1965. Er ist flüchtig wie die Garbo – aber ortsfest: Seit 25 Jahren bewohnt er weltabgeschieden – und seit seiner Scheidung (1967) wohl allein – ein Holzhaus in Cornish, einem Provinznest im US-Staat New Hampshire. Das Anwesen ist durch einen hohen Zaun vor Fremden geschützt. Und drinnen flüchtet sich der Autor – vor wem? – in einen Arbeitsbunker aus Beton.

Solch scheues Wild reizt natürlich den Jager: Ihm wie dem legendären Einhorn nachzustellen erscheint lohnender, als einen gewöhnlichen Platzhirsch zu erlegen – Norman Mailer etwa, der laut röhrend jede sich bietende Lichtung betritt und so den Medienschützen ein leichtes Ziel bietet. Auf die Pirsch hat sich nun Ian Hamilton begeben. In seinem biographischen Versuch über Salinger erscheint er jedoch kaum als frohgemuter Waidmann in Erwartung des baldigen Halalis.

Nein – mißmutig wie Philip Marlowe berichtet er über seine mühselige Spurensuche. Da wimmelt es von Anwürfen des verdrießlichen „Schnüfflers“ (Originalton Hamilton-Marlowe) gegen den Aufzuspürenden. Salinger habe schon als junger Mann „Gespür für den Markt“ und einen ausgeprägten „Geschäftssinn“ gezeigt. Sein gesammeltes Schweigen sei eine geschickte Inszenierung: „Kein PR-Mann hätte einen spannenderen Werberummel aufziehen können.“ Salinger – der ausgebuffte Geschäftsmann