Von Uwe Nettelbeck

Und wie das selbe Ölgemälde, gesehn in einem finstern Winkel, oder aber wann die Sonne darauf scheint, – so verschieden ist der Eindruck des selben Meisterwerks, nach Maaßgabe des Kopfes, der es auffaßt. Demnach bedarf ein schönes Werk eines empfindenden Geistes, ein gedachtes Werk eines denkenden Geistes, um wirklich dazuseyn und zu leben. Allein, nur gar zu oft kann Dem, der ein solches Werk in die Welt schickt, nachher zu Muthe werden, wie einem Feuerwerker, der sein lange und mühsam vorbereitetes Erzeugniß endlich mit Enthusiasmus abgebrannt hat und dann erfahrt, daß er damit an den unrechten Ort gekommen, und sammtliche Zuschauer die Zöglinge der Blindenanstalt gewesen seien. Und doch ist er so immer noch besser daran, als wenn er ein Publikum von lauter Feuerwerkern gehabt hatte; da, in diesem Fall, wenn seine Leistung außerordentlich gewesen, sie ihm den Hals hätte kosten können.

Arthur Schopenhauer

Er ist ein großartiger Maler und Zeichner, baut um seine Bilder wunderbare, sie umschwelgende Rahmen, stellt sie auf Podeste und in Tabernakel, macht Filme, schreibt Theaterstücke und Gedichte und schlägt der Stadt, in die es ihn im Augenblick verschlagen hat, schon auch einmal, unter der Devise: die Stadt zur Elbe hin!, ihren grundsätzlichen und an nichts sparenden, ganze Viertel kostenden Um- und Ausbau zu einer Stadt der Plätze und Visionen vor, und dabei natürlich, zum Einstieg Hamburgs in die Weltkultur, die Errichtung eines neuen Museums, des Museums ohnegleichen, in Gestalt einer Ruine, auf der Idee des Nachkriegsschutthaufens fundiert, und dahinter die Elbe!, aber Vlado Kristl, obwohl mit seinen bald siebzig Jahren längst in einem Alter, in dem die meisten mit sich handeln lassen, ist nicht im Geschäft, in keinem. Er träumt.

Die Flucht aus der Modernen Welt

man kennt das Wetter im Fenster

und den Stein im Wald