Schwedens Premierminister Ingvar Carlsson und Finanzminister Kjell-Olof Feldt waren wieder einmal mit der Arbeit der Regierung zufrieden: „Wir sind stolz darauf, daß wir diese Reform präsentieren können, die viele Jahre halten wird.“ Die Worte galten der Vorlage einer Steuerreform, auf welche sich die regierenden Sozialdemokraten und die oppositionelle liberale Volkspartei einigen konnten. Die Schweden zahlten bisher weltweit die höchsten Einkommensteuern. Die sollen nun gesenkt werden.

In zwei Etappen wird bis 1990 der höchste Einkommensteuersatz von 72 Prozent auf 50 reduziert. Sofern das jährliche Einkommen nicht mehr als 180 000 Kronen (rund 51 000 Mark) beträgt – und das gilt für weitaus die meisten Schweden –, liegt der neue Steuersatz nur bei dreißig Prozent. Dafür aber werden die Abschreibungs- und Ausnahmeregelungen drastisch gestrichen.

„Die einfachste Steuerskala auf der Welt“ nannte denn auch Finanzminister Kjell-Olof Feldt die neue Regelung. Ganz so simpel ist es nicht. Doch auch wenn neue Staffelungen im Steuerfreibetrag bei den niederen Einkommensgruppen zu einigen unsinnigen Sprüngen in der Steuerbelastung führen, ist gegenüber dem alten Zustand der Fortschritt unverkennbar.

Die hohen Einkommensteuern in Schweden wurden seit langem heftigst kritisiert, denn sie dämpften den Leistungswillen. Warum soll man mehr arbeiten, wenn der Mehrverdienst zu 72 Prozent an den Staat geht? Außerdem verleiteten die hohen Steuern besserverdienende Schweden zu einer ausgiebigen Jagd nach oft obskuren Abschreibungsmöglichkeiten, die volkswirtschaftlich oft unsinnig oder gar schädlich waren. Die hohen Sätze verleiteten besser betuchte Schweden zudem, sich zumindest am Rande der Legalität zu bewegen. Und bei der lohnabhängigen Mehrheit der Schweden herrschte beträchtliche Verbitterung über die schlechte Steuermoral der „besseren Kreise“.

Die Steuerreform nun wird trotz der drastischen Senkung der Einkommensteuer die gutverdienenden Schweden als Gruppe insgesamt kaum entlasten. Zwar haben „ehrliche“ Spitzenverdiener in Zukunft mehr auf dem Konto, diejenigen aber, die mit hohen und manchmal auch zweifelhaften Abschreibungen ihre Einkommen vor dem staatlichen Zugriff schützten, werden mehr bezahlen müssen.

Eine Spezialität des neuen Steuersystems ist der sogenannte Inflationsschutz: Damit wird dem Finanzminister eine verdeckte, aber sehr ergiebige Geldquelle zugeschüttet. Bislang nämlich war der Staat Inflationsgewinner. Stiegen die Löhne und Gehälter zwar nominal, aber nicht real, weil die Preise mitzogen, so mußten die Schweden wegen der starken Progression automatisch mehr Geld ans Finanzamt abliefern. Damit ist in Zukunft Schluß. Es gibt bei der Einkommensteuer nur noch zwei Sätze: dreißig oder fünfzig Prozent. Die Grenze, bei der man in den Fünfzig-Prozent-Klub aufrückt, wird parallel zum Anstieg der Verbraucherpreise Jahr für Jahr nach oben verschoben.